Das Werkzeug: Schnitzmesser

Um Löffel zu formen gibt es vielfältige Werkzeuge. Ich verwende neben Axt und Löffelmesser vor allem das Schnitzmesser.

Benötigt man zum Schnitzen ein spezielles Schnitzmesser?
Nein! …
Aber es erleichtert vieles.

Doch der Reihe nach.
Wir wollen uns die Fragen ansehen die mich bei der Suche nach einem geeigneten Messer begleiteten:

  • brauche ich überhaupt ein neues Messer zum schnitzen
  • welche Messer sind weniger geeignet
  • worauf sollte man bei der Auswahl eines Schnitzmessers achten
  • wie teuer muss ein gutes Schnitzmesser sein

 

Vorweg, ich habe mit fast allen Arten von Messern schon mehr oder weniger erfolgreich einen Holzlöffel geschnitzt. Die Löffel sind nicht immer schön geworden, es war manchmal sogar recht kniffelig, aber es ging. Also braucht man je nach vorhandenem Messer nicht unbedingt ein neues, spezielles Schnitzmesser.

Am Anfang war es besonders ein Messer von Opinel, das aus meiner Sammlung oft zum Einsatz kam. Das lag daran, dass es im Gegensatz zu anderen Taschenmessern eine feststellbare Klinge hat. Mit den klassischen Taschenmessern kann man durchaus auch kleine Schnitzereien herstelllen. Wem jedoch mal die Klinge über den Fingern zugeschnappt ist wird es, wie ich, vorziehen mit feststellbaren Klingen zu arbeiten.

Wenden wir uns also Messern mit feststehenden Klingen zu.

Messer mit sehr dünnen, flexiblen Klingen sind für den Dauereinsatz eben so wenig geeignet wie sehr breite Klingen. Die dünnen Klingen führen zu einem ratternden unpräziesen Schnitt und die dünne Kante verursacht schnell Druckstellen und Blasen an den Fingern. Ist die Klinge recht breit / hoch, habe ich Mühe den Schnittverlauf zu kontrollieren und engere Radien sind schwierig bis unmöglich zu schneiden. Stark konturierte Griffe erleichtern im allgemeinen die Handhabung eines Messers, doch musste ich feststellen, dass es beim Schnitzen genau anders herum ist. Durch die vielen unterschiedlichen Schittsituationen kommte es häufig vor, dass ein eben noch bequemer Griff plötzlich unangenehm drückt. Ein stark ausgeprägter Fingerschutz ist beim Schnitzen ebenso hinderlich, da man damit oft an das Werkstück anstösst und somit die Bewegungsfreiheit einschränkt.

 

Wie sieht also ein gut geeignetes Schnitzmesser aus?

Eine stabile, schlanke Klinge aus einem schnitthaltigen Stahl, bevorzugt mit Scandischliff und zum Abschluss einen spindelförmigen Griff.
Die schlanke Klinge ist besonders dazu angetan die Vielseitigkeit des Messers zu erhöhen. Die grosse Fase des Scandischliffs erleichtert die Schnittführung und hilft ein sauberes Schnittbild zu erreichen. Der spindelförmige Griff verhindert die schon erwähnten Unannehmlichkeiten  bei dem Verändern der Griffpositionen.

Ein Messer das diese Anforderungen erfüllt muss zwangsläufig teuer sein, oder? Nein!

Die von mir z.Z. vornehmlich eingesetzten Messer sind günstig und erfüllen alle Anforderungen. Besonders für den Einstieg sind diese Messer sehr gut geeignet, aber ich kenne einige erfahrene Schnitzer die hauptsächlich diese Messer einsetzten, unter anderen Barn the Spoon, Robin Wood und Jögge Sundqvist
Es sind die Schnitzmesser von Mora/ Frost die gut und dennoch bezahlbar sind.

Für grössere Stücke und um viel Material abzutragen, ist meist das 106 im Einsatz. Für kleinere Löffel findet eine 120 Klinge ihre Verwendung. Der laminierte Stahl lässt sich rasiermesserscharf schleifen und hat eine gute Schnitthaltigkeit.

Es gibt noch einige Schnitzmesser die ich ausprobieren möchte, doch bis ich sie habe und mit meinen erprobten Klingen vergleichen kann, weden noch etliche Löffel entstehen.

Kurs: Löffel schnitzen

Wirklich, es gibt ihn!
Einen Löffelschnitzkurs im südlichen Deutschland.
Nein, ich biete ihn nicht an, sondern Werner Fuchs, den ich am Spoonfest 2013 kennen lernte.

Warum sollte man einen Kurs besuchen um so einen einfachen Gegenstand wie einen Holzlöffel her zu stellen? Nun, erstens werden scharfe und bei unsachgemässem Gebrauch gefährliche Werkzeuge verwendet. Das ist sicher einer der grössten Vorteile eines Kurses, dass die Hemmschwelle mit Axt und Messer zu arbeiten überwunden wird. Bei korrekter Anleitung und entsprechender Ausführung reduziert sich das Verletzungsrisiko auf die Gefahrenstufe des Schälen eines Apfels.

In meinen Augen ebenso wichtig ist die Systematik, wie man vom Ast zum fertigen Löffel kommt. Eine der grundlegenden Erkenntnisse für mich waren, dass ein Löffel ein komplexes dreidimensionales Gebilde darstellt. Ohne die Kenntnis der verschiedenen Ausformungen und den Zweck dahinter ist es schwierig einen guten Löffel heraus zu arbeiten. Ich musste etliche missglückte Versuche anstellen, bis ich von einem Schöpfwerkzeug zu einem Löffel kam, von dem man sagen konnte: das ist ein guter, angenehmer Esslöffel.

Mich begeistern die Löffel von Werner. Fliessende Formen mit sauber ausgearbeiteten Details. Auf den Bildern kann man gut erkennen, wie präzise die Schnittführung gehalten und symmetrisch die Löffel ausgearbeitet sind.

Wer lernen möchte wie solche Löffel mit Beil und Messern  hergestellt werden, sollte sich unbedingt anmelden. Löffel schnitzen ist eine äusserst entspannende Freizeitbeschäftigung. Mit einer guten und vergleichsweise günstigen Grundausstattung kann man Jahre lang mit Freuden schnitzen. Dabei gibt es ein riesiges Spektrum, dass abgedeckt werden kann. Vom kleinen Salzlöffelchen über Ess- und Schöpflöffel bis zur Saunakelle ist alles möglich.

Der Kurs findet auf dem Jexhof bei München statt.
Werkzeug muss niemand mitbringen. Axt, Hackklotz, Messer und Holz werden gestellt.
Zur Anmeldung diesem Link folgen.

Ich wünsche allen Teilnehmern viel Freude und einen guten Start ins Löffelschnitzen.

Sitzmöbel gut zum sitzen

Wer sich an diesen Beitrag erinnert wird noch die Hockergestelle vor Augen haben und weiss vielleicht noch, dass sie unterschiedliche Masse haben. Aus diesen Gestellen sind in der Zwischenzeit “besitzbare” Möbel geworden.

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Neben den unterschiedlichen Massen die jeder Hocker erhalten hat, sind die Sitze auch unterschiedlich gepolstert. Jeweils einer mit kardierter Wolle, einer mit wenigen Spänen und einer richtig prall mit Spänen gestopft. Die Späne entstanden beim Zurichten der Beine.

Nach drei Monaten täglichen Gebrauchs stellen wir folgendes fest.

  • je weniger die Sitzfläche gepolstert ist, desto niedriger sollte der Hocker sein. Wenn die Spannung der Gurte nachlässt und das Polster zusammen gesessen ist, drückt die vordere Sprosse unangenehm in die Oberschenkel.
  • eine etwas zu niedrige Sitzhöhe ist angenehmer als eine zu hohe.
  • kleine Höhenänderungen (z.T. reichen 5 mm) machen sich deutlich bemerkbar.
  • Späne als Polstermaterial sind nur dann geeignet, wenn man auf gleichmässige Spandicke achtet. Zu kräftige Späne “stupfen” gerne. Bequem sitzen ist anders ;-)
  • Damit die Späne nach einiger Zeit noch ihren Zweck als Polstermaterial erfüllen, muss man sehr dicht stopfen und die Gurte straff nachspannen.
  • Die Wollvariante ist die bequemste. Leider schleichen sich immer wieder Wollefussel zwischen den Gurten durch und hängen sich an die Kleider oder gesellen sich zum Staub.
  • Ein lichtes Mass zwischen den Beinen von weniger als 39 cm wurde als unbequem empfunden.
  • Die optimale Sitzhöhe pendelte sich bei 48cm ein (Oberkante vordere Sprosse).

Neben den Hockern ist Weiterlesen

Das Werkzeug

In einer kleinen Serie werde ich die Werkzeuge die ich verwende vorstellen.

Es wird sich in erster Linie um Handwerkzeuge zur Grünholzbearbeitung und zum Löffelschnitzen handeln.

Das schöne am Grünholzwerken ist, dass man mit verhälnismässig wenig Werkzeug recht weit kommt. So oft steht man jedoch vor einem grossen Katalog an Werkzeugen und denkt: “Soll ich lieber das teure Werkzeug nehmen oder doch das günstigere; ist das günstigere aber auch wirklich gut genug oder ist es nur billig?
Die Antwort auf diese Frage kann ich keinem abnehmen. Ich hoffe jedoch, dass ich durch meine Ausführungen dem einen oder anderen die Entscheidungsfindung erleichern kann.

Natürlich sind meine Äusserungen sehr subjektiv und ich kann mich nur auf die Werkzeuge beziehen, die ich kenne. Desshalb ist es auch meine Absicht, bei Neuerwerb oder Anpassungen von Werkzeugen an meine Bedürfnisse, euch an den Entwicklungen teilhaben zu lassen.

Die kleinen Werkstatthelfer, die meist nicht käuflich zu erwerben sind, werden auch ihren Weg in diese Serie finden. Oft sind es ja diese kleinen, unbeachteten Dinge, die die Arbeit erleichtern.

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