Wo ist der Doktor?

Volker ist schuld!
Lest ja nicht seinen Blog! Dabei kommt man nur auf dumme Gedanken oder steckt sich an. Er wollte schon einen Spezialisten aufsuchen. Ich muss ihn unbedingt fragen ob es was genützt hat.

Auf jeden Fall habe ich, nach der Lektüre seines Artikels, dieses Stück Brennholz nicht einfach in den Sack geworfen sondern noch ein mal prüfend angesehen und dann …

dann nahm das Formengeben seinen Lauf und mit Hilfe von Axt, Messer, Säge, Bohrer und Pinsel sind die folgenden von Jögge Sundqvist angeregten Herzen entstanden.

Ach ja Volker, ich brauche keinen Spezialisten, mit dieser Krankheit lässt es sich sehr gut leben😉

Werkzeuginspiration

Wie bohrt man mit einem Forstnerbohrer ein Loch,wenn die Zentrierspitze kein Material hat in dem sie geführt werden kann? Wie alle wissen, die das schon mal ausprobiert haben, verläuft der Bohrer fürchterlich und das Holz um die Bohrung ist total zerkaut.

Das provisorische Stopfen der Bohrung mit einem Dübel gibt dem Bohrer seine Fassung wieder. Allerdings garantiert das nicht, dass die beiden Bohrungen konzentrisch zueinander sind (erstes Bild, linke Bohrung), aber das müssen sie sein! Ich würde ja gerne das Sackloch mit dem Forstnerboherer zuerst setzten und dann die Durchgangsbohrung machen, jedoch geht das hier leider nicht.

Wie ich so an meiner Werkbank stehe und über eine mögliche Lösung sinniere, kommen mir die Zapfensenker aus meinem Uhrmacherwerkzeug in den Sinn…

So etwas wäre die Lösung, doch wie soll das gehen?
Und jetzt fiel der Groschen; die Zentrierspitze an meinen FAMAG Bormax Staketenbohrern kann ich ja wechseln!
Also kurz eine Skizze gemacht und dann bei Gelegenheit an der Drehbank in unserer Firma einen Führungszapfen gedreht. Es war mal wieder richtig schön an einer Drehbank zu werkeln und zur Abwechslung Metallspäne fliessen zu sehen.

Nu, was soll ich sagen; es funktioniert so wie gedacht und jetzt kann ich wiederholgenau konzentrische Bohrungen erzeugen.

Und jetzt noch ein Gruppenbild der Ideengeber und dem Ergebnis. Als Grössenvergleich: der Staketenbohrer hat 20mm Durchmesser.

2½ Tage

Ich durfte und konnte mich 2 ½ Tage auf das Löffelschnitzen konzentrieren. Dabei ist dann doch eine kleine Palette netter Löffel entstanden. Eigentlich wollte ich mich auf eine Form konzentieren, aber das Holz liess sich so gut schnitzen, dass ich nichts wegwerfen wollte und so verleitet wurde aus jedem Stückchen etwas zu machen. Die Kirsche die das Holz lieferte hat nette Flecken in das weisse Splintholz verpackt.

Danke für das Holz Werner!

 

I had some 2 ½ days of dedicated spoon carving time. I am glad how these turned out. They where carved form some nice cherry.

Der widerspenstige Ast

Manchmal läuft mir ein Stück Holz über den Weg bei dem ich grosses Potential für interessante Löffel sehe.

Der Pflaumenast hier versprach auch so einiges … an Arbeit!
Eigentlich selber Schuld, hätte ich ihn mir genauer angesehen, so wäre er vermutlich direkt auf dem Brennholzhaufen gelandet. Nachdem ich aber schon angefangen hatte, wollte ich nicht mehr zurück, und so rangen der Ast und ich eine gute Weile miteinader.

Zuerst meinte ich noch ganz zuversichtlich allein mit dem Spaltmesser die Arbeit zu bewältigen. Das war schon mal der erste falsche Ansatz. Also nahm ich Holz- und Alukeile zu Hilfe und öffnete so langsam den ersten Spalt. Lasst euch vom Holzklüpfel im Hintergrund nicht täuschen, hier waren Fäustel und Vorschlaghammer gefragt😀
Auf dem ersten Bild sieht man gut, dass ich mir ein wenig Mühe sparen wollte, ich entfernte die Rinde nicht. Das Entfernen ist allerdings sehr sinnvoll, da man dadurch eine widerspenstige Schicht los wird und ausserdem den Riss besser sieht und so die Keile präziser setzen kann. Na, ich habs dann nachgeholt.

Weiter ging es Stück für Stück. Ohne eine Axt und das Stecheisen hätte ich vermutlich hier aufgegeben. Die Fasern hielten wahnsinnig gut zusammen, sodass ich sie einzeln durchtrennen musste bis dann endlich zwei Teile vor mir lagen.

Die untere Hälfte war etwas zu wuchtig und so entschied ich mich noch etwas mehr Holz weg zu spalten. Dieses Mal ging es einfacher, bis ich unvermutet auf die Fasern eines quer laufenden Astes stiess. Dieser Ast war eigentlich schon die ganze Zeit über sichtbar. Ich wollte nur vermutlich nicht wahr haben, dass das hier besser auf dem Brennholzhaufen aufgehoben wäre.

Nun ja, einmal angefangen will ich wirklich sehen wass alles aus dem Knorren werden kann. Ich werde euch auf dem Laufenden halten.

Altes Handwerk, Fehraltdorf

Auf dem diesjährigen Oldie-Traktorentreffen der Freunde alter Landmaschinen  in Fehraltdorf, in unserem schönen Nachbarland Schweiz, durfte ich an zwei Tagen Löffel schnitzen. Es gab viele Interessierte die sich das Herstellen eines Holzlöffels mit einfachsten Mitteln zeigen liessen.

Natürlich gab es einige erstaunte Blicke als die Axt so nahe an den Fingern arbeitete, da ich allerdings noch alle Finger habe waren die meisten Besucher schnell beruhigt😉

Das Festgelände konnte sich sehen lassen; gross, mit allem nötigen ausgestattet und gut organisiert. Am wichtigsten aber, gut besucht, mit allerlei schönen Traktoren und auch anderem alten Gefährt. Mein Standnachbar hatte etliche alte Motorsägen ausgestellt, auch Zweimannmotorsägen, funktionstüchtig waren sie!

Der eine oder ander Besucher war sehr interessiert und vielleicht hat irgend wo der Löffelschnitzvirus zugebissen😀

Alles in allem eine Veranstaltung die mir gut gefallen hat und so schliesse ich mich dem Bild unten an.

2016_frischesholz-15-3

Ein guter Schluck

Ich konnte dieses kleine Schmuckstück bei Karel eintauschen. Kirschenholz in eine feine und harmonische Form gebracht. Mich fasziniert bei jedem Betrachten und Benutzen, dass Karel die äussere Oberfläche nur mit der Axt bearbeitet hat. Ein so präzises Arbeiten mit dem schweren Werkzeug finde ich genial!

A beautiful little bowl made by Karel. The outside surface was created only with an axe.

Trockenes Möbel

Welchem Holzwurm geht es nicht so das er „mal kurz“ ein Regal bauen soll? Mir passiert es oft das aus dem mal kurz ein recht langes Projekt wird. Da es diesmal aber wirklich schneller gehen sollte als sonst üblich bin ich durch unseren Dachboden und Keller und habe mir passende Holzkisten rausgesucht.

Von vornherein war klar das das keine hochpräzise Schreinerarbeit werden wird und doch sollte das Möbel stabil stehen. Eine weitere Vorgabe die ich mir machte: auch anderes Material wiederverwerten!

Durch das Verschrauben der Kisten untereinander war die Stabilität recht einfach her zu stellen. Für die „Deckel“ konnten Sperrholzreststücke herhalten und die Auflageleisten für die Fachböden liessen sich in Form eines Fichtenbrettchens auftreiben. Die Auflageleisten sind im Sinne des Möbels nicht angeschraubt sonder mit Drahtstiften angenagelt.

Mit den Fachböden tauchte allerdings eine Herausforderung auf. Das Holz, die Seite eines alten Bettes, war zwar vorhanden. Jedoch war die Breite mit knapp 17cm zu klein, dafür die Dicke mit guten 27mm zu stark. Na ja, trennen wir das Kieferbrett mal schnell auf und verleimen es wieder zu ausreichen breiten Fachböden. Denkste…
Kreissäge vorhanden? Nö!
Bandsäge? Keine da!
Alternative? Gestellsäge mit Schlitzsägeblatt!

Also gut, dann wollen wir mal, dachte ich. Doch nur für das erste Drittel des ersten, inzwischen auf Länge geschnittenen, Brettes. Obwohl das Blatt frisch geschärft war ist es eine Plackerei gewesen. Eine grösse Zahnteilung wäre sicherlich hilfreich, doch wie auf die Schnelle die Veränderung bewerkstelligen? Da kam mir zum Glück die zündende Idee und ich besorgte mir ein Schittersägeblatt. Das Blatt hat jetzt zwar eine etwas eigenartige Zahngeometrie dafür lief das Auftrennen der Bretter bedeutend zügiger.

2016_frischesholz-28-3

Coarse rip saw blade filed from a „Schittersäge“ blade

Auch das Verlaufen des Blattes im Inneren des Brettes reduzierte sich deutlich. Danach war das Verleimen und Einpassen der Bretter in die Kisten ein Kinderspiel.

Soweit wären jetzt alle Anforderungen erfüllt; standfest, recht schnell gebaut und aus wiederverwerteten Materialien. Ich könnte es also aufstellen und verwenden. Doch so wirkt da Regal sehr zusammengeschustert.

Eine Lösungsmöglichkeit wäre das Regal zu streichen. Ich bin nach wie vor recht zurückhaltend mit Farben auf Holzmöbeln. In diesem Fall schien es angebracht und ich wollte unbedingt ein mal „Milkpaint“ ausprobieren. Nach einem kurzen Kriegsrat mit der Familie einigten wir uns auf einen Farbton und ich bestellte eine vorgefertigte Trockenmischung. Die Verwendung war denkbar einfach, schnell trocknend und nach dem Schleifen schön glatt. Aus meiner Sicht war hier der Einsatz von Farbe ideal damit eine einheitlichere Wirkung erzielt werden konnte.

Uns gefällts🙂

2016_frischesholz-29-3

Milkpaint pulled the different materials nicely together.