Afrika ruft

Anfang des Jahres war ich wieder in Namibia. Nun endlich sind die Bilder durchgeschaut und ich möchte euch an dem Erlebnis teilhaben lassen (die Bilder gross an zu schauen lohnt sich).

Gleich bei der Landung in Windhoek wurden wir von einem Regenguss überrascht. Gleichzeitig faszinierte uns das alles schön grün und auch die Temparaturen angenehm waren. Kein Vergleich mit der Hitze die wir bei vergangenen Besuchen erlebten. Das es vor einigen Wochen deutlich heisser gewesen war belehrten uns unter anderem die Kerzen.

Das Farmgelände war wie ausgewechselt und die Tiere alle schön fett. Wie immer gibt es in einem landwirtschaftlichen Betrieb viel zu tun. Unter anderem durfte ich auf die Windpumpen steigen und den Ölwechsel durchführen. Zum Glück bin ich schwindelfrei.

Kurz vor meinem Abflug nach Namibia lernte ich den Holzwerkerblog von Gerhard Marx kennen. Meines Wissens ist er zur Zeit der einzige Blogger mit Holzthemen in Namibia. Einige Emails später war ich zu einem Besuch in seiner Werkstatt eingeladen.
Am Tag meines Besuches ging wieder ein unglaublich starker Regen nieder, so dass man zeitweise vor lauter Regen fast nichts sah. In Gerhards Werkstatt war es richtig gemütlich und wir klönten über allerlei. Unter anderem konnte ich seine selbstgebaute Werkbank und verschiedene von ihm gefertigte Werkzeuge bestaunen. Hier durfte ich mal wieder feststellen wie bevorzugt unsere Stellung in Europa als Holzwerker ist. Zum einen sind die auf dem örtlichen Markt zu beschaffenden Werkzeuge leider fast nur noch chinesische Billigware, der die hochwertigen Werkzeuge aus südafrikanischer oder europäisch bzw. amerikanischer Produktion weichen mussten. Das heisst entweder findet man auf dem Gebrauchtmarkt etwas Vernünftiges oder es muss von Übersee importiert werden.
Zum anderen ist die Holzbeschaffung eine Herausforderung. Billiges Nadelholz ist recht leicht zu bekommen, taugt aber für den Möbelbau nicht. Von den hochwertigen Holzsorten die in Afrika geschlagen werden bekommt man auf dem örtlichen Holzmarkt meistens nur die B-Ware. Wenn man allerdings wie Gerhard eine gute Nase hat, kann man wunderschöne Hölzer bekommen. Auf dem letzten Bild dieser Gruppe seht ihr einen kleinen Stapel toller Hölzer aus seinem Fundus die er mir vermacht hat. Es sind einige Hölzer dabei die ich bis dahin nicht kannte. Jetzt warten sie auf ihren würdevollen Einsatz.

Der Blog von Gerhard ist es wert das ihr ihm einen Besuch abstattet.
www.jenesaisquoiwoodworking.com

Natürlich krabbelt und fleucht es in Afrika von grossen und kleinen Tieren. Auf einer Wildtierfarm konnten wir die ganz grossen bestaunen.

Wer eine Reise macht kann nicht nur etwas erleben, er bringt auch meistens ein paar handgreifliche Sachen mit. In meinem Fall, neben den üblichen Mitbringseln, auch eine sehr schöne Schale aus namibischem Rosenholz (African Rosewood; Guibourtia coleosperma) die ich geschenkt bekam.

Ich kann natürlich nirgendwo hingehen ohne ein Stück Holz für einen Löffel oder zwei zu suchen. Da ich bei meinen letzten Besuchen verschiedene Hölzer durchprobiert hatte wusste ich, dass es wieder Schwarzdorn (Acacia mellifera) werden sollte. Bilder des Strauches findet ihr in meinem Namibiabericht aus dem Jahr 2015. Die Rohlinge bereitete ich in Namibia vor und nahm sie dann mit zurück nach Deutschland. Mit der Endbearbeitung wartete ich ein wenig zu lange und musste mich dann mit sehr sehr hartem Holz abmühen. Die Farbenspiele auf dem Holz entlohnen die Arbeit dennoch reichlich!

Some images from my latest trip to Namibia. I had a great time working on the farm and, as a special treat, helping to repair the windpums. As always I searched for wood for spoons and collected some „Swarthaak“ (Acacia mellifera). A hard but beautiful coloured wood.

This years highlight was the meeting with Gerhard Marx, currently the only woodworking blogger I know of in Namibia. We had a great time in his workshop chatting about all sorts of topics. He also introduced me to some wood species I never have worked before and gave me some samples. Now I just have to find a use that does justice to the beauty of the woods. I definitely recommend checking out Gerhards Blog.

 

 

 

Ein Dickkopf lenkt ein

oder ich habe mir Anchorseal gekauft.

Wer die Kommentare des letzten Beitrags gelesen hat der wird sich erinnern das Volker mich ermutigte das Hirnholz meines Ahornstamms mit Anchorseal ein zu streichen. Wie viele andere Methoden auch soll das Wachs die Rissbildung im Hirnholz vermindern.

Nach einem kurzen in mich gehen beschloss ich letzte Woche doch Anchorseal zu kaufen und es aus zu probieren. Viel ist dazu eigentlich nicht weiter zu sagen. Auftragen, warten das es trocknet, hoffen das es wirkt…

Bei grösseren Querschnitten muss ich noch Erfahrung sammeln. Die kleinen Teile zeigen wirklich keine weiteren Risse mehr. Ganz besonders eindrücklich konnte ich die Wirkung bei einem kleinen Elsbeerenstämmchen sehen. Wenn ich dort bisher ein Stück  abschnitt traten innerhalb von 10 Minuten die ersten Risse auf. Heute nach einer Woche ist das Hirnholzende immer noch rissfrei.

Danke Volker!

Ahorn als frisches Holz

Wo kommen wir denn hin, wenn dieser Stamm einfach verhäckselt wird?! Das fragte ich mich, als ich erfuhr, dass ein Ahornstamm zu Brennholz bzw. Häcksel werden sollte.

Nach ein paar freundlichen Worten mit meinem Kollegen bekam ich nicht nur das Holz, er half mir kettensägenlosen Mensch mit seiner Kettensäge auch noch mit dem Zersägen in handlichere Stücke.  Daheim angekommen bewunderte ich noch einmal die zwei Stammstücke mit ca 40 cm Durchmesser am Zopfende und setzte mich dann hin um mir darüber im  klaren zu werden, was ich denn mit diesem plötzlichen Segen anfangen sollte.

Wäre es Eichenholz hätte ich es an einen schattigen Ort gelegt und erst ein mal vergessen. Mit einem so heiklen Holz wie Ahorn kann man das natürlich nicht machen! Mir blieb also nichts anderes übrig als das Holz in verwendbare Teile zu zerlegen. Einige Tage wurden mögliche Projekte gewälzt und dann machte ich mich ans aufspalten. In der Holzfachliteratur lernte ich vor einiger Zeit, dass Ahorn sich leicht spalten lässt. Na dann, frisch ans Werk!

Nach den ersten 10 Minuten schwand mein Optimismus, dieser Stamm hatte ganz andere Vorstellungen vom leichten Spalten als ich.
Meine Aluminiumkeile, die bisher wenig Probleme hatten einen Stamm zu spalten, sprangen hier jedes Mal wieder heraus. Zum Glück hatte ich einige schlanke Hartholzkeile, mit denen ich am Stammende einen Spalt öffnen und meine dünnen Kunststoffkeile eintreiben konnte.

Sobald die Kunststoffkeile weit genug eingetrieben waren, griffen auch die Alukeile und der Spalt zog sich sauber bis zum Stammende durch.

Mit der Methode; Holzkeil, Kunstoffkeil und dann Alukeil spaltete ich in den folgenden Tagen den ein Meter langen Stammabschnitt auf. Anschliessend begann ich auch mit dem kurzen Stück, bis mir klar wurde, dass ich, durch andere Aufgaben bedingt, gar nicht dazu kommen würde die bisher ausgespaltenen Teile vorzubereiten bevor sie stark austrockneten.

Also hielt ich inne und begann damit den Markröhrenbereich mit einem Spaltmesser ab zu spalten und mit einer Axt die Teile zu zurichten.

Tja, und damit bin ich nun Stundenweise immer noch beschäftigt und merke jedes Mal, dass das Holz trockener und die Bearbeitung mühevoller wird. Leider kann man es nicht zwingen und ich muss mich in Gelduld üben. So wie viele Landleute landauf, landab jetzt geduldig warten müssen was sich nach den vergangenen Frostnächten von der Blütenpracht noch erhalten hat…

Splitting out some pieces from a maple log I was given. This is a lot more work than I envisioned. I only was able to get into the log by using thin wooden wedges. My aluminium wedges jumped right out of the wood every time I tried to drive them in. Now I am still busy roughing out the pieces and hope I will finish this part of the process before the stuff gets to dry.

Frühlingserwachen

So langsam zeigt der Frühling sich jetzt an allen Ecken und Enden und mich hat es einfach gepackt ein klein wenig mit der Kamera los zu ziehen.

So bin ich trotz trübem Wetter und plötzlich wieder richtig kalter Luft am Morgen los gezogen und habe am Dorfrand in den Sträuchern und Hecken nach Motiven gesucht. Das Licht hat mir zwar recht zu schaffen gemacht, dafür hat mich sogar eine alte Steinmauer mit neuem Leben überrascht.

Natürlich ist nicht nur die Schöpfung im neuen Werden begriffen, sondern auch die Ehepaare werden zu Eltern. Und so darf ich wieder einen Namenslöffel verschenken. Diese Löffel fertig zu stellen ist für mich immer wieder eine sehr grosse Freude und ich lege alle meine Segenswünsche beim schnitzen mit hinein.

I needed to take some spring photos and I also finished a birth spoon. Carving birth spoons is something I really enjoy a lot!

Leffe und Hoanzlbeng hat eine neue Webseite!

Hier ist es jetzt tatsächlich eine Weile ruhig gewesen. Das heisst aber nicht dass ich nichts gemacht habe …

Ganz im Gegenteil, Werner und ich haben endlich die Webseite für „Leffe und Hoanzlbeng“ fertig. Werner hat für 2017 wieder ein tolles Progamm mit sehr interessanten Kursleitern zusammen gestellt.

Ich werde jetzt nicht viel mehr verraten. Seht euch auf der neuen Seite um und meldet euch hurtig an. Wie immer sind die Teilnehmerzahlen begrenzt.

www.hoanzelbeng.wordpress.com

PS: diese Jahr werde ich leider nicht bei Leffe und Hoanzelbeng dabei sein können.

Der widerspenstige Ast; Teil 4 und grosses Finale

Zum Schluss bleibt noch der untere Teil des Astes. Der würde sich tadellos für eine grosse und tiefe Kelle eignen, wäre da nur nicht dieser grosse tote Ast im Bereich der Biegung. Ich stand wohl eine viertel Stunde vor dem Hackklotz und fragte mich; soll ich oder soll ich nicht?

Nun, ich entschied mich für das Sollen und bin froh darüber, dass ich es gewagt habe. Nicht weil der Löffel besonders toll oder etwa noch brauchbar geworden ist. Nein, ich denke dass ich immer das Gefühl gehabt hätte dieses Projekt nicht abgeschlossen zu haben, wenn ich den Prügel einfach auf den Brennholzstapel gelegt hätte.

Da ich mich nicht weiter mit lauter wenn, haben und hätte aufhielt gab es zuerst ein mal viele Späne von Axt und Säge. Nach dem der Rohling geschafft war, war ich es auch und tütete ihn zur Zwischenlagerung ein. In den folgenden Tagen gab es nicht all zu viel Gelegenheit sich mit dem Riesen auseinander zu setzen und so nahm ich mir zwei Reststücke vor die beim Herstellen des Rohlings abfielen. Die zwei kleinen „Bonuslöffel“ wie ich sie nenne, haben mir Spass gemacht. Besonders der kleine Schöpfer gefällt mir sehr gut.

Irgendwann war ich dann soweit um mich wieder mit voller Konzentration dem Rohling zu widmen. Er hat mich etliche Stunden gekostet, doch ist es wegen der vielen Holzfehler leider nur ein Dekorationsobjekt geworden. Aber mit ihm hat das Projekt „der wiederspenstige Ast“ seinen Abschluss gefunden.

Jetzt bleibt natürlich die Frage, was hat das Ganze gebracht?
Zuerst ein Mal ganze sechs von Hand hergestellte Gegenstände. Drei davon sind benutzbare Löffel und weitere drei, zumindest aus meiner Sicht, Dekoobjekte. Dies ist jedoch nur die eine Ebene. Handwerklich ist nämlich auch einiges hängen geblieben, und genau aus diesem Grund bin ich froh, den unmöglichen Ast in Angriff genommen zu haben. An diesem Stück ist mir ein wenig mehr aufgegangen was die Rinde über das innenliegende Holz erzählen kann. Die Kelle zeigte mir wie scharf eine Axt sein muss um trockenes Hirnholz sauber durchtrennen zu können. Wie muss die Axt, das Messer angesetzt werden, damit das Material ausrissfrei um den Ast herum bearbeitet werden kann. Noch einiges mehr, mir bewusstes, könnte ich aufzählen. Vermutlich ist noch viel mehr unterbewusst hängen geblieben das sich bei gegebener Gelegenheit einschaltet und Hand und Auge richtig führt. Ich denke dies war ein, wenn auch aufwendiges, so doch lehrreiches Projekt.

Eine Abschlussrunde der werten Beteiligten gibt es auch noch. Viel Spass!

PS: Der Esslöffel wurde zwischenzeitlich geölt und hat deshalb eine so intensive Farbe

Der widerspenstige Ast; Teil 3

Es geht weiter mit den Ergebnissen die aus dem widerspenstigen Ast entstanden sind.

Oder vielleicht doch eher nicht.
Dieses ist das obere Stück des Astes. Nach meinen bisherigen Erfahrungen mit diesem Ast war ich recht kritisch ob sich etwas daraus machen liesse. Ich wollte trotzdem nicht vorzeitig die Flinte ins Korn werfen und habe deshalb fleissig mit der Axt zugeschlagen.

Ab einem gewissen Bearbeitungszustand zeigte sich dann doch, dass es sehr viele Fehler und Risse gab, die das erfolgreiche fertigstellen eines Löffels stark in Frage stellten.

Mit etwas gemischten Gefühlen entschied ich mich den Rohling in die Brennholzkiste zu werfen und mich dem verbliebenen unteren Teil mit seinen Herausforderungen zu stellen.