Brennnesselschnur: Rohstoff sammeln und präparieren

Bei unserer letzten Waldwanderung ist mir aufgefallen wie gross die Brennnesseln schon wieder sind und da hat es mich in den Fingern gejuckt wieder ein mal eine Brennnesselschnur her zu stellen. Ich möchte euch gerne auf dem Weg zur fertigen Schnur mitnehmen.

Zuerst müssen wir einen geeigneten Platz finden an dem die Nesseln richtig gross sind. Je länger die Brennnessel ist, desto länger sind die einzelnen Fasern, die wir für die Schnur verdrillen können. Auch versuche ich darauf zu achten, dass ich die Nesseln an einer Stelle ernte, an der sie viel Sonne abbekommen. Ich empfinde diese Fasern stabiler und somit leichter zu verarbeiten. Oft deutet eine rötliche Färbung an den Stängeln auf eine bessere Qualität hin.

Zum ernten packt man den Stängel und zieht die Pflanze mitsamt Wurzeln aus dem Boden. Erstens läuft man so nicht Gefahr ins Gesicht gestochen zu werden wenn man die Nessel unten abschneiden möchte und zweitens kann man die ganze Pflanzenlänge ausnutzen. Ich ziehe immer Handschuhe an, es gibt aber einige hartgesottene, die das Sammeln mit blossen Händen machen. Hat man die Brennnessel aus dem Boden gezogen, bricht man die oberen 10cm ab. Dies Sück ist zu dünn und die Fasern nicht stabil genug. Dann werden die Blätter von oben nach unten abgestreift.

Nun muss man sammeln bis man ein schönes grosses Bündel zusammen hat.
Der nächste Schritt ist das Brechen des Marks. Will man nur eine  kurze Schnur herstellen, kann man die Stängel zwischen Daumen und Zeigefinger drücken. Bei einer grösseren Menge schmerzen die Finger jedoch recht bald.  Ich verwende einfach irgend eine feste und verhältnismässig glatte Unterlage und in diesem Fall ein Stück Schwemmholz als Klüpfel. Die Knoten im unteren Bereich der Stängel sollten auf jeden Fall bearbeitet werden da sie sonst später unnötig Mühe bereiten.

Sind alle Stängel geklopft, können sie mit dem Daumennagel geöffnet und auf der ganzen Länge ausgebreitet werden.
Der einfachste Weg das Mark von den äusseren Fasern zu trennen, ist den ausgebreiteten Stängel in der Hälfte zu knicken. Dabei bricht das Mark auf und man kann es mit dem Daumen von der Faser lösen.

Das Ergebnis ist ein schöner Streifen Brennnesselfasern. Nach einiger Zeit wird man mit einem Bündel dieser Fasern belohnt die dann über Nacht zum trocknen aufgehängt werden.

Ich versuche so viel wie möglich von dem für mich unbrauchbaren Material im Wald zu lassen, auch wenn es nur ein kleiner Beitrag zur Humusbildung ist.

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3 Kommentare zu “Brennnesselschnur: Rohstoff sammeln und präparieren

  1. […] ging es doch länger bis ich die Brennnesselschnur, für die ich das Material sammelte, fertig stellen konnte. Zum Glück wird der Rohstoff nicht schlecht solange er trocken gelagert […]

  2. Hildrun sagt:

    Sag, gibt es etwas in unserer schönen Natur was Dich nicht interessiert und neugierig macht? Toll! Wie fühlt sich diese Faser an? Wie läßt sie sich weiter verarbeiten? Kannst Du die so gewonnene Kordel für die Stuhlbespannung gebrauchen, oder kann man sie verstricken? Ist diese Faser zum Weben geeignet? Muß sie auf jeden Fall versponnen werden, oder könnte man sie auch so verwenden?
    Wie hat wohl die junge Königin die Hemden für ihre verzauberten Brüder, zur Erlösung, hergestellt?
    Es gibt ja so viele Märchen über die Brennessel.
    Gerne wäre Eure Märchen-Tante bei Euren Spaziergängen und Basteleien dabei.

    • Frederik sagt:

      Einige deiner Fragen werden im zweiten Teil beantwortet werden. Zur Verwendung gibt es viele Möglichkeiten. Einerseits kann man sehr feine und dünne Schnüre herstellen die z. B. zum fischen verwendet werden können. Ich habe aber auch gelesen dass aus der Brennnessel in Notzeiten Stoffe hergestellt wurden. Diese waren aber bei weitem nicht so haltbar wie etwa Baumwolle oder Flachs.

      Über ein kurzes Brennnesselmärchen würde ich mich freuen.

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