Das Werkzeug: Löffelmesser

Vor knapp einem halben Jahr sind bei mir die Löffelmesserklingen von Robin Wood angekommen. Diese Klingen wurden inzwischen mit einem Griff versehen und ausgiebig getestet (vielen Dank Werner für die Schablone).

Neben Löffelmessern gibt es noch die Möglichkeit, die Laffe der Löffel mit einem Hohleisen aus zu höhlen. Ich bevorzuge die Messer, da sie eine glatte Laffe erzeugen können, die nicht nachgearbeitet werden muss. Jedesmal wenn ich Schnitzeisen verwendete, musste ich mit Ziehklinge oder Schleifpapier nacharbeiten. Mit einem richtig geschärften Löffelmesser ist das Nachschleifen der Laffe nicht mehr nötig.

Schärfe ist jedoch nicht das einzige was bei einem Löffelmesser für einen guten Schnitt verantwortlich ist. Vielmehr sind es die Radien in denen die Klingen gebogen sind, die sie für einen bestimmten Zweck besser oder weniger gut geeignet machen. Meine ersten beiden Messer waren eines mit engem Radius, das „Standard“  von Svante Djärv und ein linkes Messer mit flacherer Kurve von Hans Karlsson. Ich kam mit beiden gut zurecht, wobei sich recht bald herausstellte, dass der Radius an dem Svante Djärv Messer für den Endschnitt einfach zu eng ist. Desshalb setzte ich immer öfter das Karlsson Messer für den Endschnitt ein, was jedoch zum Teil zu eigenartigen Schnitthaltungen führte, da ich als Rechtshänder ein linkes Messer mit dem Daumen schiebe; na, ob der Satz verständlich ist…?

Klären wir also erst ein mal was der Unterschied zwischen einem rechten und einem linken Messer ist. Nimmt man ein rechts(händiges) Messer in die rechte Hand, schneidet man damit auf den Daumen zu. Dem Linkshänder geht es mit einem links(händigen) Messer ebenso. Verwende ich als Rechtshänder aber ein linkes Messer, halte ich den Griff mit der rechten Hand und benutze meistens den Daumen meiner linken Hand um den Vorschub zu erzeugen. Eigentlich ganz einfach 🙂

Lange Zeit liebäugelte ich mit dem rechtshändigen Messer von Karlsson. Ich konnte mich jedoch nicht dazu durchringen das notwendige Kleingeld auf den Tisch zu legen. Zu meinem Glück, wie sich herausstellen sollte. In der Zwischenzeit war Robin Wood dabei seine Löffelmesser zu entwickeln. Und als ich wirklich genug davon hatte ewig an meinen Löffeln rum zu putzen, war Robin mit seinen Klingen fertig.

Ich erwarb bei ihm die Klingen in folgenden Versionen: kleinerer Radius (compound curve) rechts und links; grosser Radius rechts.
Seit ich diese Messer habe kann ich eine viel sauberere Oberfläche mit bedeutend geringerem Aufwand erzielen. Ein echter Zugewinn für meine Werkzeugrolle. Ich liebe diese Messer wegen ihrer Vielseitigkeit und ihres sauberen Schnittes bei der endgültigen Formgebung. Interessanterweise ist das linkshändige Messer hier bedeutend seltener im Einsatz. Erstens ist die Kurve der „compound“ Klinge so durchdacht, dass ich bis auf wenige Ausnahmen alle Schnitte mit dem rechten Messer ausführen kann. Zweitens ist die Klinge dünner als die von Karlsson und Djärv, was dazu führt, dass sie bei schiebendem Einsatz leicht anfängt zu rattern.

Hier eine kleine Liste mit den Vor- und Nachteilen der Messer wie ich sie erlebt habe.

Svante Djärv Standard
+ Stabile Klinge
+ Schnitthaltig
+ zügiger Materialabtrag möglich
+ für kleine, tiefere Laffen gut geeignet
– enger Radius führt zu welliger Oberfläche
– Griff etwas klobig (ich habe eher grosse Hände)
– Klinge im Verhältnis kurz, bei grossen Löffeln steht man recht leicht an

Hans Karlsson Löffelmesser
+ Radius vielseitiger als Svante Djärv Standard
+ Runder Erl sehr angenehm
+ Stabile Klinge
+ gute Schnitthaltigkeit
+ angenehmer Griff
+ zügiger Materialabtrag möglich
– manchmal fehlt ein flacher Teil in der Klinge für grosse Löffel

Robin Wood compound curve
+ Äusserst vielseitige Klinge
+ sehr saubere und ebenmässige Oberfläche möglich
+ Länge der Klinge für grössere Löffel gut geeignet
+ gute Schnitthaltigkeit
– Klinge für groben Materialabtrag zu dünn

Robin Wood open curve
+ sehr saubere und ebenmässige Oberfläche möglich
+ Länge der Klinge für grössere Löffel gut geeignet
+ Radius für flache (grosse) Löffel gut geeignet
+ gute Schnitthaltigkeit
– Klinge für groben Materialabtrag zu dünn

Noch ein Wort zu den Griffen; in der Galerie unten sieht man schön die unterschiedlichen Griffformen. Am angenehmsten und vielseitigsten ist der lange achteckige Griff. Der Karlsson Griff ist gut, liegt angenehm in der Hand und erlaubt eine gute Kraftübertragung. Obwohl ich mit dem S. Djärv Messer viele Löffel geschnitzt habe, konnte ich mich nicht an den Griff gewöhnen. Ich glaube eine Schlankheitskur von ringsum 1 – 2mm wäre dem Griff sehr zuträglich. Die rauhe „rutschhemmende“ Oberfläche stört mich kaum, die glatten Griffe sind mir jedoch lieber.

Empfehlung

Kinder
Für Kinder sind die Klingen der Robin Wood und Hans Karlsson Messer definitiv zu ausladend. Durch die entstehende Hebelwirkung ermüden die kleinen Hände schnell. Für sie ist es zudem einfacher den Daumen vor einer kürzeren Klinge in Sicherheit zu bringen. Leider hatte ich die Kinderversion des Svante Djärv Standard Löffelmessers mit kleinerem Griff noch nicht in der Hand. Müsste ich speziell für das Arbeiten mit Kindern, Messer anschaffen, würde ich dieses ausprobieren. Mit regelmässigen Pausen kommen meine Kinder mit dem vorhandenen S. Djärv Messer jedoch recht gut klar.

Erwachsene
Hier gibt es für mich zur Zeit einen ganz klaren Favoriten. Das Robin Wood compound curve Löffelmesser. In meinen Augen der Vielseitigkeits- und Preis-Leistungs-Sieger. Wer auf das Geld schauen muss und in der Lage ist Griffe herzustellen, kann nur die Klingen erwerben. Für den Anfang reicht ein Messer vollkommen aus. Durch die durchdachte Form benötigt man als Rechtshänder eigentlich kein Linkshändiges zusätzlich.

Vorsicht!
Mit allen scharfen Gegenständen kann man sich schneiden.
Im Gegensatz zu einem Messer bei dem man sich meist „nur“ schneidet, haut man sich aber mit dem Löffelmesser richtige Schnitze weg. Diese heilen sehr schlecht!


Ergänzung
In einem weiteren Beitrag findet ihr einen Nachtrag zu diesem Thema.

Weitere „Das Werkzeug“ Beiträge:


 

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3 Kommentare zu “Das Werkzeug: Löffelmesser

  1. Doris sagt:

    Wo kann ich diese Messer kaufen?
    MfG Doris

    • Frederik sagt:

      Hallo Doris,
      die Löffelmesser von Robin Wood findest du in seinem Internetladen
      In Deutschland kenne ich bisher nur die Firma dictum.com die eine grössere Auswahl anbietet.
      Alternativ kannst du versuchen die vorgestellten Messer direkt beim Hersteller zu beziehen oder du suchst im Netz nach Lieferanten aus dem Ausland.
      Beste Grüsse
      Frederik

  2. […] ist der angekündigte Gastbeitrag. Autor ist Werner Fuchs. In meinem Werkzeug Eintrag zu den Löffelmessern fehlte noch das eine oder andere. So lasse ich ihn gerne zu Wort kommen. Viel Spass beim […]

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