Das Werkzeug: Nachtrag zu den Löffelmessern

Hier ist der angekündigte Gastbeitrag. Autor ist Werner Fuchs.
In meinem Werkzeug Eintrag zu den Löffelmessern fehlte noch das eine oder andere. So lasse ich ihn gerne zu Wort kommen.
Viel Spass beim Lesen!

Als Frederik neulich seine Sammlung an Löffelmessern vorgestellt hat, habe ich zwar den einen oder anderen Kommentar zu weiteren Löffelmessern vermisst, aber ich bin überzeugt, dass zu den bei uns erhältlichen Messern ausreichend gesagt wurde – diejenigen, die mir fehlen sind entweder sowieso zu teuer (bzw. ihren Preis nicht wert) oder nur sehr schwer zu beschaffen, also eigentlich unwichtig …
Aaaaaaaaaber eines fehlt mir – das Löffelmesser, das für mich eigentlich unverzichtbar geworden ist – Nic Westermanns „Fawcett Blade“.
Wie so oft sind es hauptsächlich die Details, die aus einem guten Werkzeug ein herausragendes Werkzeug machen.
Für mich ist das zum einen der durchgehend konvexe Anschliff. Ich habe eine kleine Grafik erstellt, anhand derer man sich eigentlich gut vorstellen kann, warum beim Aushöhlen ein konvexer Anschliff das eindeutig bessere Ergebnis erzielen wird. Der flache Anschliff wird immer dazu neigen „Rattermarken“ zu hinterlassen, da das Messer nur schwer der erwünschten „Kurvenbewegung“ folgt. Der konvexe Anschliff hat hier deutlich weniger Probleme und hinterlässt ein deutlich besseres Finish.

Zudem ist die Innenseite der Klinge nicht plan sondern folgt der Form des Anschliffs (d.h. die Innenseite ist konkav), was das Schärfen wesentlich vereinfacht. Nachdem auch weniger Material abgetragen werden muss, geht’s auch noch wesentlich schneller.
Zum anderen ist der Radius für so ziemlich jeden Löffel brauchbar. Ich habe seit circa einem Jahr für meine Löffel kein anderes Messer mehr benutzt – das heißt es funktioniert für alle Größen zwischen Teelöffel und Schöpfer. Ich denke das könnte als vielseitig durchgehen.
Obendrauf gibt’s noch ein perfektes Finish – der Anschliff ist hochglanzpoliert und die Klinge wird wirklich extrem scharf geliefert.

Für mich gibt es aktuell nur zwei wirklich empfehlenswerte Löffelmesser. Meine Empfehlung für Anfänger und diejenigen, die nicht allzuviel Geld ausgeben wollen ist eindeutig das „Robin Wood“. Ich verwende es für meine Kurse und halte es nach wie vor für hervorragend. Allen, die etwas mehr ausgeben können würde ich aber das „Nic Westermann“ ans Herz legen; zwischen den Beiden liegen zwar keine Welten, aber Nics Messer ermöglicht ein besseres Finish …

Zum Schluß noch eine kleine Anmerkung – ein Messer ist bei dieser Klinge vollkommen ausreichend, man kann also getrost darauf verzichten ein Paar ( d.h. Rechts- und Linkshänder) zu kaufen. Ich bin zumindest bis jetzt mit meinen Rechtshänderklingen klar gekommen …

Macht’s gut
Werner

Images © Werner Fuchs

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6 Kommentare zu “Das Werkzeug: Nachtrag zu den Löffelmessern

  1. Werner Fuchs sagt:

    Hi René,
    seufz – das ist wirklich ein ganzer Haufen Fragen …
    Okay, eins nach dem anderen – Du hast recht, es gibt noch einige Löffelmesser, die auf Frederiks Blog nicht erwähnt wurden, das sind sogar eine ganze Menge. Ich habe es hier schon ein oder zwei Mal erwähnt – ich schreibe keine Reviews, jetzt und in Zukunft nicht. Die Werkzeuge, über die ich schreibe sind alle diejenigen, mit denen ich gerne arbeite – mit den anderen halt eben nicht. Ich kann mich leider nicht mehr genau daran erinnern, welches Löffelmesser Du hast, aber ich glaube es war eines von Svante. Hier würde es sich lohnen es umzuschleifen – der Aufwand ist nicht soooo gewaltig. Wie Du schon vermutet hast, aussen umschleifen reicht, falls Du innen umschleifen willst, um ein Löffelmesser zu bekommen, das so funktioniert wie eines von Nic, würde ich Dir raten – KAUF DAS ORIGINAL!
    Falls Du von „Scandi“ auf „konvex“ umschleifen willst, reicht es wenn Du Dir ein paar Bogen Schleifpapier besorgst (1xx, 2xx, 3xx, 400, 600, 1200, 2000), und eine elastische Unterlage (Mousepad, Leder, usw …) und den Anschliff änderst (das dauert so circa 45 Minuten). Langsam und ohne Aufwand wird das leider nichts! Falls aus irgend einem Grund etwas schiefgeht kannst Du gerne eines von meinen „Svante“ günstig bekommen – auch seine Messer gehören zu denen, die ich nicht erwähne …

    Das Schleifpapier und die Unterlage sind so oder so keine Fehlinvestition, das ist das Material, das Du brauchst um einen konvexen Schliff scharf zu halten.
    Das mit dem „Schärfalltag“ ist eher Frederiks Ding – das Thema ist mir zu trocken (aber schau ‚mer mal).
    Falls Du noch Fragen hast, schick mir eine Mail (spaenerei@mnet-online.de) …
    Grüße
    Werner

    • René sagt:

      Hallo Werner,

      ja, ich habe ein Svante-Löffelmesser bzw. das hatte ich auch tatsächlich im Hinterkopf bei meiner Frage, hätte ich natürlich auch dazuschreiben können. – Gut, dass du dich erinnerst!
      Zum Schärfen nutze ich ebene Steine und zum Abziehen für Innen Formabziehsteine und Leder-um-ein-Rundholz-mit-Schärfpaste-bestrichen geklebt. Meines Erachtens wird es scharf genug – wie du schon schreibst: Es ist ein trockenes Thema; bei dem so viele Variationen zu einem passablen Ergebnis führen können.
      Dennoch sind es meiner Erkenntnis nach, die „kleinen“ Dinge, von denen Frustrierte oder Unerfahrene (wie ich) profitieren können: Dass du auf einer weichen Unterlage deine gewölbten Messer schärfst, war für mich neu. Ich kenne nur Berichte, bei denen die Schärfenden ihren festen Schärfstein (oder auf Holz gewickeltes Schleifpapier) so bewegen, dass sie der Form der Fase folgen.
      Ich werde noch einmal in mich gehen, und weiter probieren.
      Übrigens habe ich mir auch eine von Robin Woods Löffelklingen mitgebracht. Doch ich habe diese eher für größere Öffnungen (kleine Schalen, große Kellen) vorgesehen. Dementsprechend habe ich einen längeren und recht dicken Griff angebaut, der größere Radien unterstützt, aber bei kleineren bzw. detailreicheren Arbeiten zu ermüdend ist. Wenn ich jetzt bei dir lese, dass du auch kleine Löffel damit schnitzt (mit anderer Grifform), dann ist das auch wieder eine schöne Erkenntnis, die ich erst einmal sacken lassen will.

      In diesem Sinne: Vielen Dank für die Zeit, die Erfahrungen zu teilen!

      grüßend,
      René

  2. René sagt:

    Hallo Werner, hallo Frederick,

    ich habe eine Frage zum Anschliff.
    In euren Beiträgen erwähnt ihr auch „andere“ Löffelmesser. Bei diesen ist der Anschliff wohl „gerade“, sonst würdest du, Werner, hier nicht so großes Augenmerk auf den konvexen Anschliff bei Nic Westermann legen.
    Ist es sinnvoll, eines der „anderen“ Löffelmesser auch in die konvexe Form zu bringen?
    Die gewölbte Form müsste aussen hinzubekommen sein (z. B. durch häufiges Schärfen bzw. gezieltes Schleifen). Die Innenform zu verändern scheint mir mit nicht möglich bzw. der Aufwand dafür stünde in keinem Verhältnis.
    Daraus ergibt sich für mich die Frage für den Schärfalltag: Folge ich künftig weiterhin der ursprünglich am Messer angeschliffenen Fase oder „runde“ ich den Übergang von Fase zu dahinterstehender Klinge ab?

    Vielleicht wäre das eine Anlass, aus eurem „Schärfalltag“ zu berichten.
    Wie bekommt ihr eure Klingen scharf?

    grüßend,
    René

    • Frederik sagt:

      Hallo René,
      ich versuche meine Löffelmesser in der Geometrie so zu halten wie sie vom Hersteller vorgegeben wurde. Eine leichte Rundung tritt schon auf, diese versuche ich jedoch wieder auszugleichen. Wenn du deine Geometrie ändern möchtest würde ich es mit gezieltem Schleifen versuchen. Sich allein auf das regelmässige Schärfen zu verlassen führt m.E. zu nicht kontrollierbaren Ergebnissen. Ich würde das sicher nicht mit meinem Arbeitsmesser machen, falls etwas daneben geht…

      Vielleicht hat Werner schon ein mal ein Messer umgeschliffen, möglicherweise sagt er auch noch was dazu.

      Über den Schärfalltag wird sicher mal ein Bericht erscheinen.

      Grüsse
      Frederik

      • René sagt:

        Hallo Frederik,

        für mich ist das eine immer wiederkehrende Erkenntnis.
        Und das ist das Faszinierende: Mit den Werkzeugen, die gegeben sind, lassen sich ganz herrliche Gegenstände erschaffen – es liegt am Geschick bzw. der Übung bzw. der Gewöhnung desjenigen, der sie einsetzt.

        Auf viele weitere illustre Beiträge!
        grüßend,
        René

  3. […] In einem weiteren Beitrag findet ihr einen Nachtrag zu diesem […]

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