Spänerei aufräumen

Vergangenes Wochenende waren wir zu dritt und verwandelten etliches Holz in Späne, aber auch in interessante Objekte.

Dafür das wir in Werners Haus Späne in alle Winkel tragen durften kamen Karel und ich von weit her angereist. Karel machte sich von Tschechien aus auf den Weg, während ich von Schaffhausen aus aufbrach.
Kaum angekommen, wurde das vorhandene und mitgebrachte Holz geprüft und vorbereitet. Nach einer kurzen Diskussion entschieden sich Karel und Werner als Einstieg für eine Kuksa, während ich mich dezent mit einem Löffel beschäftigte. Das leckere Mittagessen gab  die erste Gelegenheit die mitgebrachten Werke zu bewundern.

Dabei zeigte Karel einen kleinen Schöpfer der fast fertig war und der mich so faszinierte, dass ich einen ähnlichen im Laufe des Tages machen wollte. Dazwischen musste ich aber wieder einmal versuchen ein unmögliches Stück Holz zu einem Löffel zu verarbeiten. Das führte zwar zu einem interessanten, aber nicht wirklich befriedigenden Ergebnis.

Zwischendurch wurden wir von Werner und seiner Frau mit leckeren Stärkungen erfrischt. So konnten wir mit immer neuen Kräften weiter schnitzen. Vielen Dank dafür!

Gegen Abend zeigte sich so langsam, dass wir uns nicht nur auf der Veranda breit gemacht sondern auch einiges an Holz umgewandelt hatten. Der Name „Spänerei“ für unser kleines Treffen bewahrheitete sich also 😉

Nach dem Aufräumen war natürlich nicht Schluss mit dem Thema schnitzen und Löffel, nein, es wurde bis tief in die Nacht gefachsimpelt.

Ich möchte mich bei Werner und seiner Familie für die Gastfreundschaft bedanken. Wir haben uns wirklich wohl gefühlt und ich hoffe auf eine Wiederholung. Danke Karel, dass du die weite Fahrt gemacht hast. Es war schön mit dir zu schnitzen.

Zu guter Letzt noch unsere gesammlten Werke aus Kirsche, Apfel und Blutpflaume.

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4 Kommentare zu “Spänerei aufräumen

  1. Werner sagt:

    Hallo René,
    das sind aber ziemlich viele Fragen …
    Ich versuche zumindest zu ein paar Deiner Punkte etwas zu sagen …
    Eine Deiner Fragen kannst Du mit Sicherheit selbst am Besten beantworten – warum wir nur zu dritt waren; da Du anscheinend auch der Meinung warst, dass sich die Anreise nicht lohnt. Ich vermute, dass einige Andere das genau so sehen.
    Du hast sicher recht, das Interesse scheint nicht allzu groß, es mag aber auch sein, dass die Änkündigung nur per Blog und Facebook ein bisschen zu mager war. Beim nächsten Mal werden wir mit Sicherheit mehr auf den Putz hauen.
    Bei Deiner Einschätzung zur Präsenz der Grünholzhandwerker in anderen Ländern möchte ich Dich zart auf die Tatsache hinweisen, dass in den USA so circa 320 Millionen leben, da kommen zum Thema Grünholz schon ein paar Blogs zusammen (und der Umstand, dass die Anreise etwas weiter ist, hat in den Staaten meines Erachtens noch nie irgend jemand beeindruckt). In GB ist das Thema Grünholz aktuell einfach modern (bzw. in, bzw. hip, …) und wird es meiner Meinung nach auch noch eine Zeit bleiben. Du übergehst aber ganz locker Länder wie Schweden (die leisten sich sogar eine Handwerksschule, die sich unter anderem damit beschäftigt) und Frankreich (mit einer sehr großen und reichen Tradition auch im Grünholzhandwerk, aber die Franzosen tun sich fast genau so schwer wie wir).
    Warum Michail, Tilman und Konsorten nicht bloggen weiß ich nicht – vielleicht solltest Du sie fragen … Aber dass sie nicht präsent sind, entspricht nicht ganz der Wahrheit; ich glaube mich erinnern zu können, dass es einen Fernsehbeitrag über Tilman gab und Michail schreibt für „Holzwerken“. Das eine oder andere habe habe ich nur an Rande mitbekommen, aber sicherlich gibt es Einige, die mit dem Begriff Grünholz etwas anzufangen wissen (sowohl im Handwerks- als auch im Erziehungsbereich). Was in der Ecke Reenactment läuft, weiß ich nicht, muss aber auch sagen, dass mich das nicht sonderlich interessiert.
    Bei Deinen Themen „Bewegung“ und „instituionell übergreifenden Drahtziehern“ und „Oder ist das etwa gar nicht gewollt?“ muß ich Dir leider sagen, da glaube ich, ist Dir nicht zu helfen – zumindest nicht von mir. Ich engagiere mich nach meinen Möglichkeiten, gebe Kurse, stehe auf Handwerkertagen, mache Demos und werde hoffentlich auch 2016 zusammen mit Frederik wieder ein Treffen organisieren. Ich vermute, das ist etwas konstruktiver als auf Blogs von Anderen darüber zu jammern, dass man nicht bespasst wird …
    Take care
    Werner

  2. René sagt:

    Ich habe den Eindruck, das Bedürfnis nach Austausch mittels persönlicher Treffen ist nicht allzu stark unter den Grünholzwerkern in Deutschland.
    Ist das auch dein Eindruck?
    Ich bin nun nicht allzu sehr mit der Szene vertraut, doch ich habe den Eindruck (durch das Lesen von Internet-Blogs und Gespräche mit einer handvoll Engländern), wenn in Großbritannien oder den USA ein Schnitztreffen oder ein Wippdrehbank-Drechsel-Treff stattfindet, reisen aus einem recht weiten Umkreis relativ viele Gleichgesinnte an. Sogar von regionalen Gruppen habe ich gelesen, die sich mehr oder weniger regelmäßig treffen, um gemeinsam zu schmieden, zu schnitzen oder zu drechseln.
    Jetzt sehe ich, dass ihr zu dritt wart.
    Lohnt sich die Frage nach dem Warum dieser Unterschiede?
    Gibt es einen faktischen Unterschied oder ist es eine Sache der Wahrnehmung? Sind die englisschprachigen Handwerker einfach präsenter, dort wo ich schaue (Internet)? Und wenn ja, warum das nun wieder? Wo verstecken sich die Grünholzwerker in Deutschland? Warum posten sie nicht hier einen Kommentar im Blog?
    Sind die handvoll (via Internetsuche) bekannten (hauptberuflichen) Grünholzwerker im Land ständig unterwegs und geben Kurse? Warum lese ich von ihnen nicht regelmäßig etwas über ihre Arbeit? Vielleicht weil die Grünholzwerker in Deutschland vor Ort präsent sind (Märkte, Mittelaltertreffen) und agieren – und kein Bedürfnis haben, sich im Internet zur präsentieren? Oder sind die rechtlichen Auflagen für solche Versammlungen zu umfangreich (Versicherungen etc.), um sich unbekümmert zum Beilschwingen zu treffen?

    Vielleicht eher gesondert davon zu sehen (vielleicht aber auch nicht):
    Und gibt es keine „deutsche“ (bitte so weltoffen verstehen, wie möglich) Tradition der Grünholzwerker? Ich kenne die Stick-Chairs aus Großbritannien, die amerikanischen Holzkisten aus frischer Eiche, Rindengeflechte aus beiden Nationen, die „schwedischen“ Löffel, die Shaker-Pegboards und die (aber weitaus weniger medienpräsent) „osteuropaischen“/russischen Birkenwerke. – Und wo ist der bayerische Trog, sind die norddeutschen Holzschuhe und lausitzer Käne?

    Vielleicht übergehend, ein dritter Bereich:
    Übersehe ich etwas oder ist „die Bewegung“ der tradierten Techniken insbesondere der Grünholztechniken nicht sehr medial präsent? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Erforschung von Handwerkstraditionen hierzulande noch so hinterherhinkt, oder? Oder ist sie so stark regional verortet, dass es schwierig ist, eine „Bewegung“ auszumachen, die das ganze Land durchzieht? Fehlt es an instituionell übergreifenden Drahtziehern, die alle an einen Tisch bringen? Oder ist das etwa gar nicht gewollt? – Womit ich wieder am Anfang meiner Überlegungen angelangt bin.

    • Frederik sagt:

      Hallo René
      Freut mich das du immer mal wieder kommentierst und Anstösse zu Disskussionen lieferst, auch wenn meine Antworten nicht gleich kommen.

      Werner hat einige mögliche Antworten bereits angesprochen, daher werde ich nur auf einige wenige Punkte eingehen.

      Du sprichst die Grünholzwerker bzw. Handwerker in traditinsreichen Holzgewerken an die noch nach klassischen Methoden arbeiten. Dort kenne ich bisher drei Gruppen. Die Freizeitarbeiter wie ich einer bin. Dann die die sich ihren Lebensunterhalt davon oder zu einem Teil davon erwirtschaften in dem sie die Produkte herstellen und auf verschiedene Weise zu vertreiben suchen und die Gruppe die sich auf den pädagogischen Bereich spezialisiert hat. Die letzte Gruppe ist sehr aktiv, aber bisher wenig im Netz sichtbar da ihre Kontakte über andere Kanäle laufen. Die herstellenden Handwerker haben zwar meistens eine Webseite sind aus meiner Sicht aber sehr froh da sie nur diese betreuen müssen und nicht noch einen zusätzlichen Blog oä. Wenn du bedenkst das das Schreiben eines Beitrags mit dem Erstellen der Bilder etc. sehr schnell 2-3 Stunden in Anspruch nehmen kann dann kannst du dir denken das diese Handwerker sich neben den Mails und sonstigen Komunikationen die sie haben nicht auch noch um das Erstellen eines kostenlosen Blogs kümmern wollen. Etliches läuft wie du weisst über die schnellen Medien wie facebook und Instagram.
      Das die Freizeitschnitzer mehr im Netz sichtbar werden, dafür gibt es unter anderem diesen Blog. Die Zurückhaltung der Freizeitschnitzer liegt sicher zum einen an der Menge derer die nicht bereits in irgend einem Bereich aufgehoben sind (Reenactment, Outdoor, Buschcraft, Jagd, Bogenbau …). Für alle diese Bereiche gibt es bereits Foren in denen nach Herzenslust geschrieben, Bilder gezeigt und … gestritten wird! Ich kenne noch kein Grünholzforum und werde auch keines aufmachen! Zum anderen liegt es einfach auch an den Wenigen die das Arbeiten mit frischem Holz als eine Hauptbeschäftigung betrachten und nicht nur mal aus Spass nebenher etwas kleines am Lagerfeuer basteln.

      Zu einer weiteren Frage habe ich auch die eine oder andere Hypothese: Das betrifft die Forschung und die Tradition. Hypothese 1: Bei uns wird sehr viel und sehr gründlich geforscht aber leider betrachten sich noch viele Forscher als Eliten die für sich und ihresgleichen forschen. Die Laien sind nicht das anzusprechende Publikum, wenn ein Laie Fragen hat muss er sich in das Thema und die fachspezifischen Bereiche einarbeiten. Hypothese 2: Das strikte Urheberrecht erschwert das Verbreiten von Informationen erheblich und ist mit zT. grossen Kosten verbunden. Daher kann sich relevante Infromation nur langsam verbreiten. Zum Glück gibt es auch bei uns immer mehr Museen die ihre Sammlungen im Netz verfügbar machen. Hypothese 3: Die Gewerke waren und sind durch die Zunften und ihre Nachfolger stark voneinander getrennt. Daher sind die Verknüpfunegn nur schwach ausgeprägt und gemeinsame Veranstaltungen und Auftritte finden nur selten statt. Wie sagte ein älterer Handwerker an einem Aktionstag zu mir: „Heute ist der erste Tag in meiner ganzen Laufbahn das mich einer der anderen Handwerker besucht und sich meine Arbeit zeigen lässt.“

      Es liegt also an uns ob sich etwas im deutschsprachigen Handwerksraum verändert oder nicht.
      Grüsse
      Frederik

  3. Wolf sagt:

    Hallo,
    schöne Werkstücke – besonders die Kuksas gefallen. Tolle Seite werde öfter mal vorbeischauen!

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