Experimentierfeld Vogelhäuschen: 1. Teil

Der Herbst ist die richtige Zeit Vogelhäuser herzustellen und auf zu hängen. Das Bauen wollte ich mir sparen und diese Vogelhäuser benutzen die meine Kinder vor einigen Jahren in der Schule gebaut hatten. Vor dem Aufhängen sollte die Oberfläche ein wenig aufgefrischt werden. Tja, und seit dem sind einige Wochen in das Land gegangen und die Häuschen hängen noch immer nicht…

Die Idee die Oberfläche auf zu arbeiten kam daher dass ich die Vogeläuschen herunter nehmen musste da die Bäume gefällt werden sollten. Dabei fiel mir auf, dass das Holz mit Flechten und Algen überzogen war. Ideale Grundlagen Hausmittel zur Reinigung aus zu probieren und anschliessend vorhandene Farbproben zu verwenden.

Als erstes mussten die Algen und Flechten weg. Gelesen hatte ich das Waschsoda und warmes Wasser dazu gut geeignet wären. Soda hatte ich keines, aber Kaiser Natron war im Haus. Mit Bürste, Gummihandschuhen und etwas Zeit wurde das Holz wirklich schön sauber.

Nun war auch deutlich zu sehen dass der Baum an dem die Vogeläuschen ehemals hingen in Form von Harz seine Markierung hinterlassen hatte. Eine scharfe Ziehklinge war  das Werkzeug der Wahl um hier bis zum rohen Holz durch zu dringen.

Die Farbproben die ich verwenden wollte waren von Leinölfarben. Als Grundierung sollte rohes Leinöl aufgetragen werden. Glücklicherweise überflog ich noch mal eine Anleitung zum Reinigen von Holz mit Soda und wurde darauf aufmerksam, dass nach der Anwendung eine Neutralisierung mit Haushaltsessig notwendig ist, da sonst die Öle im Leinöl zersetzt werden. Also Essigessenz heraus gesucht, verdünnt und das Holz abgewaschen und dann wieder gewartet bis alles gut getrocknet war.

Dann endlich konnte ich die Vogelhäuschen satt mit rohem Leinöl einstreichen.

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Schneidenschutz nachgebaut

Im November zeigte Werner auf diesem Blog wie er aus Kirschbaumrinde einen Schneidenschutz herstellt. Da ich nach meinem Wochendende voller Messergriffe zwei Messer mit gerader Klinge hatte die noch ungeschütz herum lagen, war das die ideale Möglichkeit die Anleitung in die Tat umzusetzten.

Bei mir lag noch etwas Birkenrinde im Arbeitszimmer die ich anstelle der Kirschenrinde zum Einsatz brachte. Die erste Messerscheide aus Rinde, die ich seit geraumer Zeit machte, zeigt die fehlende Übung. Etwas unförmig und zu breit geraten und beim Binden mit dem Leder hab ich mich auch noch verhaspelt. Also noch mal neu machen? Nö! Sie funktioniert und ist eine Anregung es beim nächsten Mal besser zu machen.

Dann hatte ich Glück und erfuhr wo der Förster gerade Fichten gefällt hatte. Natürlich dachte ich gleich an die vielen schönen Beispiele von Messerscheiden die mit Fichtenwurzeln gebunden waren. Also ab in den Wald und bei den gefällten Fichten Wurzeln ausgegraben. Dankbarer Weise war der Boden an dem Ort schön weich und voller Humus, ganz im Gegensatz zu dem sonst kalkig und steinigen Untergrund bei uns in der Gegend. So waren die Wurzeln leicht heraus zu holen und auch noch schön gerade, im Vergleich zu den knorrigen und verwachsenen Bodenankern die ich vorher mal auszugraben versuchte.

Nach einigen abendfüllenden Vorbereitungen hatte ich etliche Meter gespaltene Fichtenwurzeln. Davon ist eine aus einem Gedankeblitz heraus mit Wasserfarben ( 🙂 mal sehen wie lange das hält) angemalt und in dem Schneidenschutz für das Damastmesser verarbeitet worden.

Fichtenwurzel ist ein sehr interessantes Material. Ich werde es auch bei anderen Projekten versuchen einzusetzen.

Sollte einer von euch angeregt worden sein selber einen Schneidenschutz nachzubauen würde ich mich über Nachrichten freuen.

Schneidenschutz aus Rinde – kleine Bastelei für den Nachmittag

Na wenn der Gastbeitrag von Werner nicht zu meinem vorhergehenden Beitrag passt. Viel Spass beim Nachbauen dieser netten Rindenverwertungsgegenstände 😉


 

Schneidenschutz aus Rinde – kleine Bastelei für den Nachmittag

Nachdem die meisten von uns doch regelmäßig Zeit in das Schärfen der Schnitzmesser investieren, ist ein vernünftiger Schneidenschutz Pflicht für das gute Stück. Für das Mora 106 wird er mitgeliefert, ist aber (rein subjektiv betrachtet) ein wirklich scheußliches Stück Kunststoff, diverse andere Schnitzmesser werden nur in einer geeigneten Versandverpackung geliefert. Natürlich kann man für seine Werkzeuge Hüllen aus Leder nähen – das ist aber unbestritten eine recht aufwändige Angelegenheit.
Einfacher geht das in jedem Fall mit einem schlichten Schutz aus Rinde. Im Internet kursieren diverse Anleitungen, die mal mehr mal weniger aufwändig sind, aber eines gemeinsam haben – das Material ist Birkenrinde. Zugegeben, das ist definitiv DAS Material dafür, aber in den Breiten in denen ich wohne, habe ich bis jetzt noch kein vernünftiges Stück Birkenrinde gefunden, das dafür tatsächlich geeignet wäre …
Wesentlich einfacher zu finden ist dagegen Kirschrinde, die meines Erachtens für diese Anwendung sicher nicht schlechter abschneidet. Kirschrinde ist zwar verglichen mit Birke relativ dünn, aber wenn man zwei Lagen verleimt erhält man ein Material mit vernünftiger Dicke und Zähigkeit/Reißfestigkeit.

Der erste Schritt in Richtung Schneidenschutz ist das Abschälen der Rinde, das Holz muss dafür nicht frisch geschlagen sein, eigentlich funktioniert das recht zuverlässig solange das Holz noch eine fühlbare Restfeuchte hat (das gute Stück auf dem Foto lag so circa 9 Monate im Schatten auf der Nordseite unseres Hauses). Am einfachsten ist es, nach dem Einschneiden die Rinde vorsichtig ein wenig mit dem Messer anzuheben und dann mit einem abgeflachten Stück Holz abzulösen.

Daraufhin schneiden wir aus unserem Rindenstück einen Streifen der gut doppelt so breit ist, wie der Scheidenschutz den wir daraus herstellen wollen – das wäre für ein Mora 106 etwas über 5 cm.
Die benötigte Länge für ein Mora 106 liegt so circa bei 35 cm – pauschal etwa 2 cm länger als die vierfache Länge der Klinge …
Dieser Rindenstreifen wird der Länge nach gefalzt und mit einer ordentlichen Menge Weißleim versehen. Der Streifen wird dann in der Mitte gefaltet und die beiden Hälften nochmals nach innen eingeschlagen – an dieser Stelle braucht man etwas Geduld, weil das Ganze durch den frischen Leim tendenziell eine ordentliche Sauerei macht. Es empfiehlt sich zu prüfen, ob die Klinge in dem Konstrukt auch Platz findet, ideal sind 5mm „Luft“ nach unten, damit sich die Spitze nicht durchbohrt. Falls alles zufriedenstellend aussieht, wird unser Klingenschutz in spe bis zum Abbinden des Leims gepresst.

Damit wäre eigentlich das Schlimmste schon vorbei und mit etwas Fantasie kann man auch erahnen, wie das gute Stück aussehen wird. Der nächste Schritt besteht darin die Kanten etwas zuzuschneiden, das Endprodukt kann rechteckig sein oder eine die Klingenform leicht andeuten – das ist reine Geschmackssache. Der fertige Zuschnitt sollte links und rechts jeweils um die 3 mm breiter sein als die Klinge.
Als nächstes sollte man sich das Material vorbereiten mit dem der gefaltete Rindenstreifen „umwickelt“ wird – das kann ein Streifen Rinde sein, längs gespaltene Fichtenwurzel oder auch ein Lederrest.

Ich benutze gerne dünnes Leder, das ist aus meiner Sicht die einfachste Variante. Nun wickelt man den zugeschnittenen Streifen wie auf den Bildern gezeigt von unten nach oben.


Ob man dabei wie gezeigt die Hülle vorher längs in der Mitte teilt (nur die äußere Lage!) richtet sich nach den persönlichen Vorlieben – beide Ergebnisse haben ihren Reiz.
Nachdem das überstehende Bindematerial abgeschnitten wurde, kann man die Enden mit einem kleinen Tropfen Kleber gegen das Herausrutschen sichern.
Das fertige Ergebnis hat aus meiner Sicht einen eher archaischen Charme, ist aber wesentlich schöner als jedes Stück Plastik …

Macht’s gut
Werner

Brennnesselschnur: fertig stellen

Nun ging es doch länger bis ich die Brennnesselschnur, für die ich das Material sammelte, fertig stellen konnte. Zum Glück wird der Rohstoff nicht schlecht solange er trocken gelagert wird.

Im folgenden zeige ich euch mein Vorgehen beim Herstellen der Brennesselschnur. Diese Art Schnüre zu drehen ist nicht die einzige händische Methode und sie ist auch nicht die schnellste. Mir sagt sie jedoch am meisten zu. Die andere bekannte Methode ist das Verdrehen der Fasern auf dem Oberschenkel.  Als ich begann diese Schnüre zu flechten, gab es so gut wie keine Anleitungen im deutschsprachigen Netz, so langsam ändert sich das aber und evtl. ist die „Oberschenkelmethode“ auch schon irgendwo in deutsch kommentiert.

Also wollen wir beginnen:
Die trockenen Fasern kann man direkt verwenden, in meinem Fall wurden sie vorher wieder etwas angefeuchtet. Dass verhilft zu einer homogeneren Schnur und die Finger danken es einem auch.

Wenn die Fasern sich leicht feucht anfühlen (nicht nass, sonst wird die Schnur beim trockenen locker) nimmt man sich eine und fängt mit der Schnur an. Für eine dünne Schnur wie meine nimmt man eine einzelne Faser. Diese nimmt man so in die Hand, dass sie etwa 1/3 zu 2/3 geteilt ist. So wird das Einfügen von Weiterlesen

Brennnesselschnur: Rohstoff sammeln und präparieren

Bei unserer letzten Waldwanderung ist mir aufgefallen wie gross die Brennnesseln schon wieder sind und da hat es mich in den Fingern gejuckt wieder ein mal eine Brennnesselschnur her zu stellen. Ich möchte euch gerne auf dem Weg zur fertigen Schnur mitnehmen.

Zuerst müssen wir einen geeigneten Platz finden an dem die Nesseln richtig gross sind. Je länger die Brennnessel ist, desto länger sind die einzelnen Fasern, die wir für die Schnur verdrillen können. Auch versuche ich darauf zu achten, dass ich die Nesseln an einer Stelle ernte, an der sie viel Sonne abbekommen. Ich empfinde diese Fasern stabiler und somit leichter zu verarbeiten. Oft deutet eine rötliche Färbung an den Stängeln auf eine bessere Qualität hin.

Zum ernten packt man den Stängel und zieht die Pflanze mitsamt Wurzeln aus dem Boden. Erstens läuft man so nicht Gefahr ins Gesicht gestochen zu werden wenn man die Nessel unten abschneiden möchte und zweitens kann man die ganze Pflanzenlänge ausnutzen. Ich ziehe immer Handschuhe an, es gibt aber einige hartgesottene, die das Sammeln mit blossen Händen machen. Hat man die Brennnessel aus dem Boden gezogen, bricht man die oberen 10cm ab. Dies Sück ist zu dünn und die Fasern nicht stabil genug. Dann werden die Blätter von oben nach unten abgestreift.

Nun muss man sammeln bis man ein schönes grosses Bündel zusammen hat.
Der nächste Schritt ist das Brechen des Marks. Will man nur eine  kurze Schnur herstellen, kann man die Stängel zwischen Daumen und Zeigefinger drücken. Bei einer grösseren Menge schmerzen die Finger jedoch recht bald.  Ich verwende einfach irgend eine feste und verhältnismässig glatte Unterlage und in diesem Fall ein Stück Schwemmholz als Klüpfel. Die Knoten im unteren Bereich der Stängel sollten auf jeden Fall bearbeitet werden da sie sonst später unnötig Mühe bereiten.

Sind alle Stängel geklopft, können sie mit dem Daumennagel geöffnet und auf der ganzen Länge ausgebreitet werden.
Der einfachste Weg das Mark von den äusseren Fasern zu trennen, ist den ausgebreiteten Stängel in der Hälfte zu knicken. Dabei bricht das Mark auf und man kann es mit dem Daumen von der Faser lösen.

Das Ergebnis ist ein schöner Streifen Brennnesselfasern. Nach einiger Zeit wird man mit einem Bündel dieser Fasern belohnt die dann über Nacht zum trocknen aufgehängt werden.

Ich versuche so viel wie möglich von dem für mich unbrauchbaren Material im Wald zu lassen, auch wenn es nur ein kleiner Beitrag zur Humusbildung ist.