Peitschenmacher

Ich bin in den Weiten des Netzes über einen Film aus der Reihe „Der Letzte seines Standes“ zum Peitschenmacherhandwerk gestolpert. Für mich als Grünholzwerker ist besonders die Eschenpeitsche, bzw. später aus Manilarohr hergestellt auch die Rohrgedrehte genannt, bemerkenswert. Zu sehen ist die Eschenpeitsche bei 4:34 und der Herstellungsprozess zwischen 14:49 und 17:04

Drei der Darsteller waren selber Peitschenmacher bevor das Handwerk in den 1960ger Jahren ausstarb.

 

This is a film about the historic craft of whip making in a town named Killer in Swabia, Germany. The last workshops in that town closed down around 1960 to 1970. Three of the actors in this film either had their own workshops or worked as whip makers. The oldest one being 90 years old at the making of this documentary.

The most fascinating part is when they show a whip made from ash at 4:34. The manufacturing process is the same as the one used to make a twisted whip from rattan shown from 14:49 onward.

 

Seltenes Handwerk

Es ist nicht leicht schön gemachte Bücher über das Handwerk im allgemeinen und über das Holzhandwerk im besonderen von deutschen Autoren zu finden. Die meisten Bücher die mir gefallen stammen aus dem englischsprachigen Raum.

Zu Weihnachten bekam ich ein Buch das eine sehr interessante Mischung aus allem genannten ist. Ein deutscher Autor und ein aus New York gebürtiger Fotograf haben das Handwerk im allgemeinen und dabei diverse Sparten des Holzhandwerks dokumentiert. Dazu sind sie in Mitteldeutschland unterwegs gewesen um seltenem Handwerk nach zu spüren.

36 Handwerke werden in Wort und Bild vorgestellt, wobei jeder der beiden Schaffenden seine eigenen Schwerpunkte setzt und sie so zusammen ein vielfältiges Bild vermitteln. Die „klassischen“ seltenen Handwerke wie Geigenbauer und Schmied sind vertreten, aber wer hat schon mal etwas von einer Postamentiererin oder einem Webeblattbinder gehört?

Die Texte sind so geschrieben, dass der interessierte Laie etwas von der Geschichte des Berufes und der Werkstatt erfährt und häufig in die Atmosphäre des jeweiligen Ortes eintauchen kann. Natürlich bin ich neugierig und hätte mir zu den meisten Berufen noch mehr technische Details, entweder in den Bildern oder im Text gewünscht. Doch was mich interessiert kann für den nächsten wieder zu viel des Guten sein und da ich das Buch von dem einen bis zum anderen Buchdeckel gelesen habe passt es auch so!

Beim Muldenhauer fand ich einiges Werkzeug und etliche Arbeitstechniken wieder die ich häufig einsetze. Blicke in den Bildhintergrund lohnen sich, dort findet sich so manches was über die Arbeitsweisen der Handwerker mehr erzählt als man auf den ersten Blick vermutet.

Wer in diesem Buch kein Lexikon erwartet , sondern sich auf Geschichten aus den jeweiligen Berufen einlässt, wird einiges entdecken können.

Ein Ausflugsziel für gross und klein

Die Saison der Freilichtmuseen hat wieder begonnen.
Ich war bisher nur in wenigen Freilichtmuseen. Doch hatte ich es bisher immer gut getroffen. So auch bei meinem letzten Ausflug in ein Bauernhofmuseum im Schwarzwald. Grosszügiges Gelände, attraktive Ausstellungen und funktionstüchtige Geräte. Zum Teil werden die gesammelten Gebäude noch ihrer Bestimmung gemäss verwendet. Zum Beispiel wird in einer alten russigen Küche schmackhaftes Essen zubereitet, ein Viehstall wird genutzt, aber auch eine Mühle oder eine Klopfsäge werden immer wieder vorgeführt.
Zum Glück kommt jedoch das Alltagsleben in und um den Höfen nicht zu kurz. Dabei galt mein Augenmerk bei diesem Besuch besonders den Holzgegenständen und Konstruktionen. Das Häuser die aus einer waldreichen Gegend stammen viel davon aufzuweisen haben, kann man auf den Bildern sehen.

In einem vorhergehenden Beitrag zeigte ich die vorhandenen Brettstühle die für den Voralpen- und Alpenraum typisch sind.

In einer kleinen Kapelle hing ein sogenannter Heiliggeistvogel (engl. fanbird) mit einer Spannweite von ca. 30 Zenimetern. Exemplare in der Grösse sind mir bisher noch nicht begegnet.

In den Scheunen standen und hingen verschiedene Landwirtschaftliche Geräte, unter anderem Sensen. Unter denen fanden sich einige Exemplare mit interessanten Aufsätzen, über die ich nur Vermutungen anstellen könnte. Vielleicht weiss jemand aus der Leserschaft genaueres?

Neben den Sensen fanden sich in den Scheunen verschiedenste Ausführungen der Schnitzbänke. Diese haben je nach Region unterschiedliche Namen. Bisher kenne ich folgende: Schniedesel, Schnitzpferd, Schnitzelbank und Schindelmacherbank. Wobei letztere anscheinend wirklich etwas anders ausgestaltet sein soll.

Auch die Stuben sind zum Teil noch mit ihrer ursprünglichen Einrichtung ausgestattet. Dabei war für mich eine besonders anziehend.

Neben diesem interessanten Zeugnis der Essgeschirraufbewahrung fand sich ein weiterer Hinweis auf eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. In einem versteckten Winkel hing ein Bild von einem Löffelmacher der gerade dabei ist eine Schapfe aus zu höhlen. Dazu verwendet er ein sehr grosses Löffelmesser. Ich hoffe in der gezeigten Ausschnittsvergrösserung kann man das Werkzeug besser erkennen.

Jetzt ging ich noch aufmerksamer durch die Räume und fand tatsächlich ein Zimmer in dem eine Schneflerwerkstatt (Schnitzerwerkstatt) nachgestellt wurde.

Wie ihr auf den Bildern seht sind dort verschiedenste Werkzeuge und Holzgegenstände in unterschiedlichen Bearbeitungszuständen ausgestellt. Wer weiss wofür die grossen umgekehrten Hobel verwendet wurden? Fügen von Fassdauben? Toll ist auch die fussbetriebene Drechselbank mit dem steinernen Schwungrad. Nur der Hocker kommt mir dort vor der Drechselbank etwas fehl am Platze vor. Wenn ich an meine Versuche mit der Wippdrechselbank denke stehe ich doch lieber. Leider sind die meisten der gezeigten Löffelrohlinge mit der Bandsäge ausgesägt, und vergleicht man das vorhergehende Bild der Schapfe mit den fertig gestellten Löffeln, wirken diese recht klobig.

Ganz zum Schluss unseres Besuches zog ich dann noch das grosse Los. Im Lorenzhof fand sich eine Tafel mit einer Bildserie zu der Herstellung einer Schapfe.

Für mich als Löffelschnitzer sind diese Bilder mit den verschiedenen Werkzeugen ein Glücksfall. Besonders die Art wie das Löffelmesser verwendet wird ist ungewöhnlich. Erwähnenswert finde ich zudem die Gestaltung dieser Kellen. Trotz ihrer Grösse und dass sie als einfacher Gebrauchsgegenstand gedacht waren, sind sie harmonisch gestaltet und haben eine klare Linienführung.

Wie mir das Museum mitteilte ,wurden diese Bilder um das Jahr 1980 in Bernau aufgenommen und zeigen den Schnefler Ernst Baur.

Während ich auf der Jagd nach den vorgestellten Schätzen war, konnte meine Familie ein ganz anderes Tempo anschlagen und andere Schwerpunkte setzten. So wurde dieser Tag nicht nur für mich, sondern auch für den Rest der Familie zu einem gelungenen Erlebnis.

Empfehlenswert!

Bilder: Frederik Uijs
Mit freundlicher Veröffentlichungsgenehmigung des Freilichtmuseums Vogtsbauernhof.

Löffelfertigung im Siegerland

Die ausführliche Beschäftigung mit einem Thema führt mich unweigerlich dazu über die Geschichte bzw. die Herkunft einer Technik oder eines Gegenstandes nach zu denken.

Durch die englisch sprachigen Löffelschnitzer bin ich überhaupt auf dieses Handwerk aufmerksam geworden und bin sehr dankbar für alle Informationen die ich in diversen Blogs, Foren und persönlichen Kontakten erhalten konnte. Dann gibt es noch eine grosse Gruppe Löffelschnitzer in den skandinavischen Ländern, woher auch der Gedanke des Sloid zu uns gelangt.

Doch auch in den deutschsprachigen Ländern muss es Löffelschnitzer gegeben haben. Das zeigen zum einen diverse archäologische Funde und zum anderen solche Beiträge wie der von Herrn Bensberg, in dem er aus einem wissenschaftlichen Bericht von 1781 zitiert. In diesem Bericht von Jung Stilling wird unter anderem erwähnt, dass die Schnitzer ca. 60 Esslöffel am Tag herstellten. Was mich neben der hohen Tagesproduktion erstaunt hat, ist auch, dass diese Löffel nicht nur für einen regionalen Markt hergestellt, sondern international gehandelt wurden.
Der ganze Text von Herrn Bensberg ist hier zu finden: Löffelschnitzerei in Helberhausen

Da die Löffelschnitz- und Grünholzszene in Deutschland nicht sehr gross und vernetzt ist, gibt es noch sehr viel Informationen zu entdecken und zusammen zu tragen. Über jeden Hinweis zu bestehenden Arbeiten über die Geschichte der Grünholzbearbeitung im allgemeinen und dem Löffelschnitzen im besonderen bin ich dankbar. Regionale Besonderheiten sind natürlich sehr interessant.

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