Experimentierfeld Vogelhäuschen: Teil 2

Die Grundierung mit Leinöl war nach etwa 5 Tagen genügend durchgetrocknet und so konnte ich mich an das Streichen machen. Dazu verwendete ich wie schon angedeutet Leinölpastenmuster. Diese Leinölpasten müssen 1:1 mit Leinölfirnis verrührt werden um eine streichfähige Farbe zu erhalten. Aus früheren Versuchen wusste ich, dass bei diesen kleinen Mengen sogar mehr Leinöl hilfreich ist.

Das Streichen war eine feine Arbeit und kein Vergleich mit den Lösemittelhaltigen Farben die die Luft so verpesten.
Um den Pinsel nicht auswaschen zu müssen lagerte ich ihn im Wasser zwischen. Da ich das noch nie gemacht hatte verwendete ich vorsichtshalber einen billigen Pinsel zum streichen. Sollte die Farbe doch aushärten wäre nicht all zu viel kaputt.

Die erste Schicht grün war trocken, doch beim drüberschauen fiel mir auf, dass an einigen Stellen die Farbe matt war. Hier hätte ich also durchaus noch ein mal grundieren können, denn an den matten Stellen ist das Leinöl vom Holz aufgesogen worden.

Bevor ich die zweite Farbschicht auftragen konnte, musste der Pinsel aus dem Wasser. Das ging wirklich tadellos, einfach das Wasser abschütteln und den Pinsel auf einem Stück Papier ausstreichen, fertig. Die Farbe selber hatte eine dünne Haut gebildet die ich vorsichtig entfernte.

Komischerweise gab es auf einem der Vogelhäuschen eine Stelle an  der die Farbe abperlte. Ein leichtes anschleifen in der nassen Farbe behob das Problem. Ob da Harz durchgeschlagen war?

Der grüne Anstrich trocknete und daraufhin wurden die Dächer zwei mal mit Rot gestrichen. So langsam zeigte sich, dass der Pinsel sehr billig war, die Borsten fingen an in alle Richtungen ab zu stehen.

Anschliessend die Türen mit Blau und Gelb gestrichen und nach dem Trocknen der Farbe angeschraubt.

Wie ein Leser anmerkte:“ den Vögeln wird es reichlich egal sein wie die Behausungen aussehen“, mir aber gefallen sie. Allerdings hoffe ich, dass die Orte, die ich zum aufhängen ausgesucht habe, den Vögeln passen werden.

 

Advertisements

Standortbestimmung

2017_frischesholz_301-01

Mein Blog war nicht mehr zu erreichen, bzw. nur noch auf Umwegen. Hatte das einen technischen Hintergrund? Nein, es war eine ganz bewusste Blogpause mit konsequenter Nichtnutzung der Seite.

Der Ursprung der ganzen Aktion liegt schon weiter zurück, endgültiger Auslöser war aber die Situation im obigen Bild. Durch einen Umzug innerhalb unserer Wohnung gab ich mein bisheriges Büro für andere Zwecke her. Natürlich musste dabei einiges an Kram anderweitig untergebracht werden, unter anderem in meiner kleinen Werkstatt. Ich war gerade dabei das Bild inklusive Lamento über die bengten Verhältnisse, notwendige neue Werkstatteinrichtung die meine wertvolle Zeit in Anspruch nehmen wird etc. frei zu schalten, als ich mich plötzlich fragte; wen um alles in der Welt interessiert das wirklich?

Gleichzeitig mit dieser Fragestellung wurde mir bewusst das ich einen Moment der Besinnung benötigte.

Meine Arbeit am Blog sollte von Beginn an eine Informationsquelle darstellen für alle diejenigen die sich mit Grünholzarbeiten und Löffelschnitzen beschäftigen möchten. Gleichzeitig war mir ein Anliegen, dass uns bewusst wird, dass Fertig- und Fähigkeiten nicht einfach nur so vorhanden sind sondern einerseits der Übung bedürfen und andereseits ein Geschenk Gottes sind.
Und genau hier lag ein Problem begraben. Meine bisherigen Beiträge zeigen in den meisten Fällen schön ausgearbeitete Gegenstände. Wo aber ist der Weg dahin festgehalten? Wo sind die vielen Fehlschläge? Der eigene Stolz, das mich und meine Fähigkeiten präsentieren wollen, hat sich in den Vordergrund geschlichen. Es sollen nur die guten, die bewundernswürdigen Arbeiten festgehalten werden.  Wo ist die Dankbarkeit etwas erschaffen zu dürfen geblieben? Die Freude darüber, dass mir die Möglichkeiten und Fähigkeiten dazu von Gott geschenkt wurden? Diese sind auf der Strecke geblieben durch verkrampftes Suchen nach dem nächsten perfekt passenden Thema, dem optimalen Text, dem herrausragenden Bild. Natürlich schielt ein Auge auch auf die Statistik, es soll die Reichweite gesteigert werden, die Leserzahlen sollten steigen…

Nun, ich möchte wieder zurück zum anfänglichen Plan, zeigen was mit Grünholz möglich ist, aber nicht mehr am perfekten kleben. Dazu wird auch gehören nicht ausschliesslich am Thema Grünholz zu hängen und somit dem Titeltext „und mehr…“ Raum zu geben. So Gott will werden hier auch meine Fehlschläge, also der Lernpfad, zu sehen sein. Ich hoffe, dass dadurch andere ermutigt werden etwas unbekanntes zu wagen, mit dem Wissen, dass Fehl- und Rückschläge unvermeidbar sind und diese durch unseren Schöpfer vornehmlich als geistiges Übungsfeld und wesensbildende Massnahmen gedacht sind. Wenn unsere handwerklichen Fähigkeiten durch die Übungen gesteigert werden ist das „nur“ ein zusätzlicher Bonus.

Ich freue mich sehr, dass einige meiner Leser die Mühen einer WordPressanmeldung nicht gescheut haben und mir zeigten, dass der Inhalt der Seite trotz meiner Selbstkritik lesenswert zu sein scheint. Danke dafür!

Afrika ruft

Anfang des Jahres war ich wieder in Namibia. Nun endlich sind die Bilder durchgeschaut und ich möchte euch an dem Erlebnis teilhaben lassen (die Bilder gross an zu schauen lohnt sich).

Gleich bei der Landung in Windhoek wurden wir von einem Regenguss überrascht. Gleichzeitig faszinierte uns das alles schön grün und auch die Temparaturen angenehm waren. Kein Vergleich mit der Hitze die wir bei vergangenen Besuchen erlebten. Das es vor einigen Wochen deutlich heisser gewesen war belehrten uns unter anderem die Kerzen.

Das Farmgelände war wie ausgewechselt und die Tiere alle schön fett. Wie immer gibt es in einem landwirtschaftlichen Betrieb viel zu tun. Unter anderem durfte ich auf die Windpumpen steigen und den Ölwechsel durchführen. Zum Glück bin ich schwindelfrei.

Kurz vor meinem Abflug nach Namibia lernte ich den Holzwerkerblog von Gerhard Marx kennen. Meines Wissens ist er zur Zeit der einzige Blogger mit Holzthemen in Namibia. Einige Emails später war ich zu einem Besuch in seiner Werkstatt eingeladen.
Am Tag meines Besuches ging wieder ein unglaublich starker Regen nieder, so dass man zeitweise vor lauter Regen fast nichts sah. In Gerhards Werkstatt war es richtig gemütlich und wir klönten über allerlei. Unter anderem konnte ich seine selbstgebaute Werkbank und verschiedene von ihm gefertigte Werkzeuge bestaunen. Hier durfte ich mal wieder feststellen wie bevorzugt unsere Stellung in Europa als Holzwerker ist. Zum einen sind die auf dem örtlichen Markt zu beschaffenden Werkzeuge leider fast nur noch chinesische Billigware, der die hochwertigen Werkzeuge aus südafrikanischer oder europäisch bzw. amerikanischer Produktion weichen mussten. Das heisst entweder findet man auf dem Gebrauchtmarkt etwas Vernünftiges oder es muss von Übersee importiert werden.
Zum anderen ist die Holzbeschaffung eine Herausforderung. Billiges Nadelholz ist recht leicht zu bekommen, taugt aber für den Möbelbau nicht. Von den hochwertigen Holzsorten die in Afrika geschlagen werden bekommt man auf dem örtlichen Holzmarkt meistens nur die B-Ware. Wenn man allerdings wie Gerhard eine gute Nase hat, kann man wunderschöne Hölzer bekommen. Auf dem letzten Bild dieser Gruppe seht ihr einen kleinen Stapel toller Hölzer aus seinem Fundus die er mir vermacht hat. Es sind einige Hölzer dabei die ich bis dahin nicht kannte. Jetzt warten sie auf ihren würdevollen Einsatz.

Der Blog von Gerhard ist es wert das ihr ihm einen Besuch abstattet.
www.jenesaisquoiwoodworking.com

Natürlich krabbelt und fleucht es in Afrika von grossen und kleinen Tieren. Auf einer Wildtierfarm konnten wir die ganz grossen bestaunen.

Wer eine Reise macht kann nicht nur etwas erleben, er bringt auch meistens ein paar handgreifliche Sachen mit. In meinem Fall, neben den üblichen Mitbringseln, auch eine sehr schöne Schale aus namibischem Rosenholz (African Rosewood; Guibourtia coleosperma) die ich geschenkt bekam.

Ich kann natürlich nirgendwo hingehen ohne ein Stück Holz für einen Löffel oder zwei zu suchen. Da ich bei meinen letzten Besuchen verschiedene Hölzer durchprobiert hatte wusste ich, dass es wieder Schwarzdorn (Acacia mellifera) werden sollte. Bilder des Strauches findet ihr in meinem Namibiabericht aus dem Jahr 2015. Die Rohlinge bereitete ich in Namibia vor und nahm sie dann mit zurück nach Deutschland. Mit der Endbearbeitung wartete ich ein wenig zu lange und musste mich dann mit sehr sehr hartem Holz abmühen. Die Farbenspiele auf dem Holz entlohnen die Arbeit dennoch reichlich!

Some images from my latest trip to Namibia. I had a great time working on the farm and, as a special treat, helping to repair the windpums. As always I searched for wood for spoons and collected some „Swarthaak“ (Acacia mellifera). A hard but beautiful coloured wood.

This years highlight was the meeting with Gerhard Marx, currently the only woodworking blogger I know of in Namibia. We had a great time in his workshop chatting about all sorts of topics. He also introduced me to some wood species I never have worked before and gave me some samples. Now I just have to find a use that does justice to the beauty of the woods. I definitely recommend checking out Gerhards Blog.

 

 

 

Leffe und Hoanzlbeng hat eine neue Webseite!

Hier ist es jetzt tatsächlich eine Weile ruhig gewesen. Das heisst aber nicht dass ich nichts gemacht habe …

Ganz im Gegenteil, Werner und ich haben endlich die Webseite für „Leffe und Hoanzlbeng“ fertig. Werner hat für 2017 wieder ein tolles Progamm mit sehr interessanten Kursleitern zusammen gestellt.

Ich werde jetzt nicht viel mehr verraten. Seht euch auf der neuen Seite um und meldet euch hurtig an. Wie immer sind die Teilnehmerzahlen begrenzt.

www.hoanzelbeng.wordpress.com

PS: diese Jahr werde ich leider nicht bei Leffe und Hoanzelbeng dabei sein können.

Leffe und Hoanzlbeng: Programm

Liebe Grünholzbegeisterte,

hier endlich das Programm für unsere gemeinsamen zwei Tage.

Vorneweg noch einige wichtige Informationen.

  • Teilnahme nur nach vorhergehender Anmeldung unter leffeundhoanzl@mnet-online.de
  • Wir nutzen das Gelände des Jexhof daher zahlen alle Teilnehmer den regulären Museumseintritt.
  • nur für die Einsteigerkurse am Samstag stellen wir Werkzeug zur Verfügung
  • Unkostenbeitrag pro Kurs und Person 10,- €

Programm Samstag 9.07.2016
10:00 Uhr    Begrüssung
11:00 Uhr    Workshop I (Umgang mit dem Schnitzmesser) – Frederik
11:00 Uhr    Workshop II (Umgang mit der Axt) >> Englischsprachig << – Karel
13:00 Uhr    Mittagspause
14:00 Uhr    Workshop III (Umgang mit der Axt/Schnitzmesser je nach Bedarf) – Werner
14:00 Uhr    Vorführung: Werkzeuge, Gerätschaften, Techniken  – Tilman
17:00 Uhr    Ende

Programm Sonntag 10.07.2016
10:00 Uhr   Beginn
11:00 Uhr    Workshop I (Gestaltung eines Esslöfels) – Werner
11:00 Uhr    Vorführung: Werkzeuge, Gerätschaften, Techniken – Tilman
13:00 Uhr    Mittagspause
14:00 Uhr    Workshop III (faceted Teaspoon)  >> Englischsprachig << – Karel
14:00 Uhr    Workshop II (alpenländisches Kerbschnitzen) – Frederik
16:00 Uhr    Spoonclub
17:00 Uhr    Ende

Für unsere Camper noch ein Hinweis:
Da Sanitäre Einrichtungen nur während der Öffnungszeiten des Museums  zur Verfügung stehen haben wir uns entschieden ein DIXI auf stellen zu lassen. Wir bitten daher um Kostenbeteiligung.

Bei Fragen oder Unklarheiten bitte ungeniert an uns wenden.

 

Leffe und Hoanzlbeng: Kursleiter Karel Hekrle

2016_frischesholz-33

Karel Hekrle, ein aus der Tschechischen Republik stammender Löffelschnitzer, wird uns als Kursleiter unterstützen. Ich lernte ihn am 2013er Spoonfest in Edale kennen. Schon damals war er ein sehr guter Schnitzer. In der Zwischenzeit hat er sich immer mehr in die Materie vertieft und sich unter anderem auf (Tee)Schäufelchen und Kuksas spezialisiert.Seinem freundlichen Lächeln kann man sich schwerlich entziehen und bei einer Tasse Tee entspinnt sich schnell ein Gespräch über, na was den wohl ? 🙂

Am Samstag zeigt er wie man sicher mit der Axt aus einem gespaltenen Stück Holz einen Rohling herausarbeiten kann.

Am Sonntag wird er in ein fortgeschrittenes Thema einsteigen und sich mit den Kursteilnehmern der Herstellung eines facettierten Teelöffels widmen. Diese kleinen Löffel sind recht zügig her zu stellen, erfordern aber bereits eine gute Kenntnis der Werkzeuge um ein sauberes Ergebnis zu erzielen. Unten ein Beispiel von seinem Blog

 

Leder flechten, die En­zy­k­lo­pä­die

Mich begleitet das Lederflechten schon sehr lange und in der Zwischenzeit kann ich brauchbare Ergebnisse vorzeigen.

Bei mir ging der Weg über viel Üben, Leder verschneiden und häufig wieder neu anfangen. Massgeblich beteiligt an dem Lederflechteerfolg war allerdings ein umfangreiches Werk in dem die Bücher und Artikel von Bruce Grant (+1977) zusammengefasst wurden.

In diesem Buch werden von einfachen dekorativen Knoten und Kantenumflechtungen, über Gürtel, Gerten und Lasso bis hin zum Zaumzeug vielfältige Anwendungen und Anregungen aufgezeigt. Es wird nicht nur auf das gegerbete Leder eingegangen,auch die Besonderheiten des Flechtens mit ungegerbter Haut, Rohhaut, werden berücksichtigt.

Die Illustrationen und Anleitungen sind sehr ausführlich und helfen dem Flechter  ausgezeichnet an das erwünschte Ziel zu gelangen. Je komplexer die Arbeiten werden, desto häufiger muss man das geschriebene Wort berücksichtigen und kann sich nicht nur mit der Zeichnung behelfen. Das heisst, dass man beim Erwerb dieses Buches recht gut Englisch können muss um das volle Potential aus zu schöpfen.

Jedem der sich vertieft mit dem Lederflechten auseinandersetzten will kann ich dieses Buch guten Gewissens empfehlen. Er wird bei jeder Verwendung neue Anregungen und Lösungsansätze finden.

Leider konnte ich noch kein Buch in der Qualität auf deutsch ausfindig machen. Über Hinweise bin ich dankbar.

PS:
Einige Projekte benötigen für die Flechtriemen sehr viele Löcher. Deshalb noch ein kurzer Hinweis auf meine absolute Lieblingslochzange deren Anschaffung auch schon bei wenigen Einsätzen im Jahr rentiert.
Internetsuche unter: Hebel Revolverlochzange